Entführungen verursachen bei den Betroffenen psychische als auch physische Schäden

3. Oktober 2002, 09:24
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Eltern stehen unter Dauerstress

Mainz - Bei einer Entführung ist nach Einschätzung des Mainzer Psychologieprofessors Peter Glanzmann die Unsicherheit am schlimmsten. "Alles was zur Reduktion der Ungewissheit beiträgt hilft", sagte Glanzmann am Dienstag in Mainz.

Die Eltern stünden bei der Entführung eines Kindes unter Dauerstress. Auch ein halbwegs normales Leben sei in einer solchen Situation nicht mehr möglich, sagte Glanzmann. "Man wird alles tun, um das Kind wiederzubekommen." An Schlaf sei kaum zu denken.

Hoher Adrenalinspiegel

Der Stresszustand habe auch körperliche Folgen: Da der Adrenalinspiegel sehr hoch sei, könne es zu Schäden kommen, insbesondere das Herz, sagte der Psychologe. "Der Körper ist auf Hochleistung eingestellt. Alles andere wird unwichtig. Es werden körperlich und geistig alle Reserven mobilisiert." Bei lang anhaltendem Stress könne es zu Erschöpfungszuständen, Krankheiten oder sogar zum Tod kommen.

Eine gewisse Erleichterung gebe es, wenn die Eltern über die Entführung und ihre Ängste reden. Der Ansprechpartner müsse kein Psychologe sein, jeder Freund oder Bekannte sei hilfreich. "Wenn so etwas fürchterliches passiert, muss man jede Möglichkeit nutzen, um darüber zu sprechen. Wenn man es teilen kann, ist es nicht mehr ganz so schlimm." (APA/dpa)

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