Microsoft sucht neue Märkte

30. September 2002, 20:40
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"Linux ist ernsthafte Bedrohung und Konkurrenz" - Europa-Chef Courtois im STANDARD-Gespräch

Zwar konnte Microsoft zuletzt zwölf Prozent Umsatzzuwachs melden, doch hat der Softwareriese schon bessere Zeiten gesehen. "Der IT-Markt geht durch eine schmerzhafte Phase. Die Aufwendungen für IT wachsen zwar 2002, aber das Geld wird anders als bisher ausgegeben. Der PC- und der Servermarkt verlieren, das Wachstum ist in neuen Märkten", beschreibt Microsofts Europa-Chef Jean-Philippe Courtois im Gespräch mit dem STANDARD die Situation.

Nur noch schwache Zuwächse

Für Microsoft bedeutet dies, dass die traditionellen Wachstumslokomotiven Windows und Office nur noch schwache Zuwächse ausweisen, "fünf bis sechs Prozent, früher war es zweistellig", sagt Courtois. "Unser zweistelliges Wachstum kommt jetzt von unseren Serverprodukten, wo wir viel in Stabilität und Verlässlichkeit investierten."

"Linux ist eine ernsthafte Bedrohung und Konkurrenz für Microsoft"

In diesem Markt hat in den vergangenen Jahren das Open-Source-Betriebssystem Linux für viel Aufmerksamkeit gesorgt. "Linux ist eine ernsthafte Bedrohung und Konkurrenz für Microsoft", räumt Courtois ein. Derzeit würde Linux vor allem eine Ergänzung von Unternehmensservern sein, und "vor allem anderen Unix-Servern Anteile wegnehmen". Aber "wir werden stärker auf Linux-Konkurrenz stoßen. Unsere Lösung dafür ist es, das Service für unsere Kunden zu verstärken und ihnen eine Plattform zu bieten, die eine nahtlose Integration bietet", vor allem mit anderen Microsoft-Produkten - "das bekommen Sie von einem Linux-System nicht", setzt Courtois auf die Stärke Microsofts mit seiner Gesamtpalette. Der eigentliche Konkurrente bei Linux sei IBM, sagt Courtois, das damit sein Servicegeschäft verkaufen will.

Kleine und mittlere Unternehmen

Besonders wichtig im europäischen Markt seien kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die für über 40 Prozent des Umsatzes von Microsoft sorgen. Hier verfolgt Microsoft einen großen Masterplan: für KMU standardisierte Software zur Unternehmenssteuerung zur Verfügung zu stellen, wie Microsoft-Vizepräsident Jeff Raikes vor kurzem in Business Week erklärte.

"Kleine Firmen müssen dieselben Aufgaben wie große lösen"

In diesen Plan passt auch die Übernahme von Navision, einem europäischen Hersteller von Unternehmenssoftware. "Kleine Firmen müssen dieselben Aufgaben wie große lösen", so Courtois. "Wir wollen ihnen das möglichst einfach machen." Allerdings sei es bis zu einer Art Office für Kleinunternehmen eine lange Reise. Der Markt sei fragmentiert, Software müsse Ländern und Branchen angepasst werden. Eine Änderung von Steuergesetzen etwa braucht ein entsprechendes Update in wenigen Wochen - eine Möglichkeit, die künftige ".Net"-Dienste - Microsofts Internetinitiative - eröffnen würden. Mit einem ersten Produkt hat Microsoft den Fuß in den Markt für Unternehmenssoftware für Kleine gesetzt: Ein Kundenbeziehungsprogramm (CRM) auf Exchange-Basis. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 1. Oktober 2002)

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