Ankara warnt USA vor Irak-Krieg

30. September 2002, 19:17
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Türkei sieht bereits wirtschaftlichen Schaden - Besuch aus Irak und Washington

Im anhaltenden diplomatischen Ringen um einen Krieg gegen den Irak rückte am Montag auch die Türkei als strategisches Schlüsselland in den Mittelpunkt des Interesses. Fast zeitgleich trafen sowohl eine hochrangige amerikanische Delegation als auch der irakische Vizepräsident Tarik Aziz in Ankara ein.

Die türkische Regierung hatte bereits im Vorfeld der beiden verfeindeten Besuchergruppen ihre Position in dem Konflikt skizziert. In einem Interview mit dem Fernsehkanal CNN-Türk sagte Premier Bülent Ecevit wörtlich: "Wir denken, dass militärische Aktionen gegen Bagdad überflüssig sind, weil es bereits eine De-facto-Kontrolle des Irak von außen gibt." Die US-Gesandte Elisabeth Jones, Staatssekretärin für Europa und Eurasien, bekam in Ankara denn auch noch einmal in geballter Form die türkischen Vorbehalte gegen einen US-Angriff auf Saddam zu hören. Allein die Diskussion über einen Krieg, so ein Mitarbeiter des Premiers, sei für die krisengeschüttelte Wirtschaft in der Türkei extrem schädlich. Der hohe Ölpreis von über 30 Dollar pro Barrel behindere die Wirtschaftsreformen, dazu komme, dass ausländische Investoren sich zurückhalten, solange eine Kriegsgefahr besteht.

Schon jetzt zeichne sich ein Rückgang bei den Buchungen für die nächste Touristensaison ab, was für die türkische Ökonomie dramatische Folgen haben dürfte. Die größten Sorgen macht sich Ankara aber nach wie vor über die Entwicklung der kurdischen Frage. Ankara fürchtet, die irakischen Kurden strebten allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz im Ergebnis eines Krieges einen eigenen Staat an, für den sie auch die Erdölregion um Kirkuk und Mossul beanspruchen.

Uranfund übertrieben

Berichte vom Wochenende über einen Uranfund in einem türkischen Taxi nahe der syrischen Grenze haben sich indes als stark übertrieben herausgestellt. So soll es sich bei dem beschlagnahmten Material um maximal 140 Gramm Uran handeln, nicht um 15,7 Kilogramm. Unklar ist auch noch, ob das Uran tatsächlich waffenfähig war. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2002)

Jürgen Gottschlich aus Istanbul
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