Ein Amerika der Egomanen

1. Oktober 2002, 14:41
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Salzburgs Elisabethbühne zeigt "Es liegt was in der Luft" von Richard Dresser

"Es gibt ein paar Dinge, auf die ich als Dramatiker angewiesen bin", erklärt der amerikanische Autor Richard Dresser. Unter anderem gehörten dazu: "eine Gruppe von gleichgesinnten Schriftstellern, die genauso verbittert und desillusioniert sind wie ich, und die rasende Paranoia, dass das Leben letzten Endes eine weitaus dunklere Angelegenheit ist, als die meisten Menschen glauben wollen".

Bereits diese Maximen literarischen Schaffens lassen erkennen, dass die Premiere an der Elisabethbühne der Sozialkritik gewidmet ist. Und diese erscheint bei Dressers "Es liegt was in der Luft" im Gewand der zynischen Farce. Ort des Geschehens ist Amerika, das Land, wo alles möglich sein soll. Etwa auch die makabre Idee, für den Lebensunterhalt unheilbar Kranker aufzukommen, mit der Gegenleistung, sich deren Lebensversicherung überschreiben zu lassen. Walker, ein junger Mann mit großen finanziellen Ambitionen und relativ wenigen Skrupeln, entscheidet sich für dieses Modell.

Die junge Regisseurin Franziska-Theresa Schütz verlegt das Geschehen in ein Geflecht aus Beton und Metallverstrebungen (Ausstattung: Eva Sobieszek). Hier agieren ihre fünf Darsteller und zeigen eine Welt voller beziehungsunfähiger Egomanen. Streckenweise ist diese Jagd nach Geld recht unterhaltsam, sie bewegt sich aber konstant an der Grenze zur Geschmacklosigkeit - trotz ausgleichender Gerechtigkeit, die in der Welt der Fiktion zu (guter) Letzt hergestellt wird. (still/DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2002)

Elisabethbühne
5020 Salzburg
Erzabt-Klotz-Str. 22
Info: 0662/80 85-0
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