Die Rückkehr des Fürsten

30. September 2002, 21:17
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Bis zur Eröffnung des Wiener Liechtenstein Museums 2004 wird mit wesentlichen Exponaten der Sammlung eine barocke Erlebniswelt inszeniert

Wien - Nachdem die Moderne, nach Jahrzehnten der der provisorischen Unterbringung, aus den Prunkräumen des Palais Liechtenstein ausgezogen ist, um endlich ihr eigenes Haus im Museumsquartier zu beziehen, kommt am Alsergrund wieder imperialer Glanz auf. Am 28. März 2004 wird dort das Liechtenstein Museum eröffnet werden, eine - Eigendefinition - "barocke Erlebniswelt".

Schon im ersten Jahr sollen, rechnet Direktor Johann Kräftner, 150.000 Erlebnishungrige kommen, in den Folgejahren dann jeweils 250.000 bis 300.000 Besucher auch ein wirtschaftliches Arbeiten ermöglichen. Allein die Adaptierung der Räume hat rund 20 Millionen Euro gekostet. (Dabei ist ein Freskenzyklus Johann Michael Rottmayrs aufgetaucht, der nun an den beschädigten Stellen rekonstruiert wird.)

Den Erlebniswert sollen prominente Teile der Fürstlich Liechtenstein'schen Sammlungen (die während des zweiten Weltkrieges von Wien nach Liechtenstein übersiedelt wurden) garantieren, den Erlebnischarakter eine Hängung, die Kunst als selbstverständlichen Teil fürstlichen Alltagslebens betont, Anmutung und repräsentative Funktion der Architektur stützt. Einzelne Gattungen werden dabei nicht getrennt voneinander abgehandelt, sondern, ganz im Sinne feudaler Selbstinszenierung, vermengt. So wird künftig in der Sala Terrena der Goldene Wagen von Fürst Josef Wenzel von Liechtenstein standesgemäß eingeparkt werden.

Zu den wichtigsten Gemälden, die für Wien bestimmt sind, zählen sicherlich die Werke von Peter Paul Rubens Decius-Mus-Zyklus. (Konsul Decius Mus opferte sich für Rom und gilt seitdem als Tugendheld.) Ursprünglich als Kartons zu Wandteppichen für den Genueser Adeligen Giovanni Battista Brignole gefertigt, kamen sie 1693 in die Liechtenstein'schen Sammlungen. Neben Rubens sollen Arbeiten von van Dyck (Bildnis der Maria de Tassis) und Giulio Romanos Heiliger Johannes in der Wüste dem Museum als Publikumsmagnet dienen. Aus den Skulpturen soll Adrian de Fries' Christus im Elend herausragen.

Neben der permanenten Kollektion sollen Wechselausstellungen in Kooperation mit dem Stammsitz der Sammlung in Vaduz vor allem die Bestände an österreichischem Biedermeier zurück nach Wien bringen. Und eine Schau zur Geschichte des Palais Liechtenstein die Bedeutung des Hauses zeigen, das laut Direktor Kräftner, "nach 1945 weit unter seinem Wert genutzt wurde".

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bedankte sich für das "neuzeitliche Mäzenatentum" von Fürst Hans Adam II., betonte, dass mit dem Bundesdenkmalamt eine Einigung über eine anstandslose Ein-und Ausfuhr der Kunstwerke aus den Sammlungen erzielt wurde, und fügte noch an: "Durchlaucht, wir freuen uns sehr, dass Sie heimkommen - ins Museum." Sollte der durchlauchtige Vorschlag einer Verfassung beim Referendum 2003 abgelehnt werden, hat Hans Adam II. angekündigt, "den Zustand vor 1938 wieder herzustellen", also ins Ausland, wahrscheinlich nach Wien, zu gehen. Möbel und Bilder wären schon da. (Markus Mittringer/DER STANDARD, Printausgabe, 1.10.2002)

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    Derzeit wird im fürstlichen Palais Liechtenstein in Wien-Alsergrund noch heftig renoviert. Bis Anfang 2004 soll es dann als Museum wieder imperial glänzen.

  • Palais Liechtenstein
    foto: liechtenstein museum gmbh

    Palais Liechtenstein

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    Fuerst Hans Adam II

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