Microsoft sucht neue Märkte

1. Oktober 2002, 10:23
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Traditionelle Wachstumslokomitiven nur mit schwachen Zuwächsen - Europa-Chef Courtois: "Linux ist ernsthafte Bedrohung und Konkurrenz"

Wien – Zwar konnte Microsoft zuletzt zwölf Prozent Umsatzzuwachs melden, doch hat der Softwareriese schon bessere Zeiten gesehen. "Der IT-Markt geht durch eine schmerzhafte Phase. Die Aufwendungen für IT wachsen zwar 2002, aber das Geld wird anders als bisher ausgegeben. Der PC- und der Servermarkt verlieren, das Wachstum ist in neuen Märkten", beschreibt Microsofts Europa-Chef Jean-Philippe Courtois im Gespräch mit dem STANDARD die Situation.

Für Microsoft bedeutet dies, dass die traditionellen Wachstumslokomotiven Windows und Office nur noch schwache Zuwächse ausweisen, "fünf bis sechs Prozent, früher war es zweistellig", sagt Courtois. "Unser zweistelliges Wachstum kommt jetzt von unseren Serverprodukten, wo wir viel in Stabilität und Verlässlichkeit investierten."

Linux

In diesem Markt hat in den vergangenen Jahren das Open-Source-Betriebssystem Linux für viel Aufmerksamkeit gesorgt. "Linux ist eine ernsthafte Bedrohung und Konkurrenz für Microsoft", räumt Courtois ein. Derzeit würde Linux vor allem eine Ergänzung von Unternehmensservern sein, und "vor allem anderen Unix-Servern Anteile wegnehmen". Aber "wir werden stärker auf Linux-Konkurrenz stoßen. Unsere Lösung dafür ist es, das Service für unsere Kunden zu verstärken und ihnen eine Plattform zu bieten, die eine nahtlose Integration bietet", vor allem mit anderen Microsoft-Produkten – "das bekommen Sie von einem Linux-System nicht", setzt Courtois auf die Stärke Microsofts mit seiner Gesamtpalette. Der eigentliche Konkurrente bei Linux sei IBM, sagt Courtois, das damit sein Servicegeschäft verkaufen will.

Masterplan

Besonders wichtig im europäischen Markt seien kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die für über 40 Prozent des Umsatzes von Microsoft sorgen. Hier verfolgt Microsoft einen großen Masterplan: für KMU standardisierte Software zur Unternehmenssteuerung zur Verfügung zu stellen, wie Microsoft-Vizepräsident Jeff Raikes vor kurzem in Business Week erklärte.

In diesen Plan passt auch die Übernahme von Navision , einem europäischen Hersteller von Unternehmenssoftware. "Kleine Firmen müssen dieselben Aufgaben wie große lösen", so Courtois. "Wir wollen ihnen das möglichst einfach machen." Allerdings sei es bis zu einer Art Office für Kleinunternehmen eine lange Reise. Der Markt sei fragmentiert, Software müsse Ländern und Branchen angepasst werden. Eine Änderung von Steuergesetzen etwa braucht ein entsprechendes Update in wenigen Wochen – eine Möglichkeit, die künftige ".Net"-Dienste – Microsofts Internetinitiative – eröffnen würden. Mit einem ersten Produkt hat Microsoft den Fuß in den Markt für Unternehmenssoftware für Kleine gesetzt: Ein Kundenbeziehungsprogramm (CRM) auf Exchange-Basis.

Microsoft übernimmt Rare

Am Dienstag wurde bekannt, dass Microsoft den britischen Computerspielentwickler Rare übernommen hat. Der Sofware-Hersteller soll neue Titel für die Xbox produzieren. Als Kaufpreis wurden 375 Mill. Dollar (380 Mill. Euro) genannt. Die beiden Firmengründer Chris und Tim Stamper sollen ebenso wie die weiteren Programmierer ihre Arbeit in Warwickshire fortsetzen. Unmittelbar vor der Übernahme trennte sich Nintendo von seiner 49-Prozent-Beteiligung an Rare. Seit seinem Computerspiel Donkey Kong Country im Jahr 1994 hat sich Rare zu einem der führenden Spielehersteller entwickelt. (APA/DER STANDARD, Printausgabe 1.10.2002)

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    Der IT-Markt geht durch eine schmerzhafte Phase. Auch der Software-Gigant Microsoft muss reagieren.

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