Den Haag: Weitere Anklage wegen Beihilfe zu Srebrenica-Massaker

30. September 2002, 16:32
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Mehr als 7000 Zivilisten ermordet

Den Haag - Im Zusammenhang mit dem Massaker an mehreren tausend Moslems in der ehemaligen UNO-Schutzzone Srebrenica in Bosnien hat das UNO-Tribunal in Den Haag den bosnisch-serbischen Polizei-Offizier Ljubomir Borovcanin der Beihilfe zum Völkermord angeklagt. Nach Angaben des Gerichts vom Montag war der jetzt 42 Jahre alte Polizist im Sommer 1995 stellvertretender Kommandant einer Polizei-Brigade. Zusammen mit Soldaten der bosnischen Serben soll seine Einheit mehr als 7.000 moslemische Zivilisten ermordet haben.

Borovcanin habe in leitender Funktion an einem kriminellen Unternehmen mitgewirkt, zu dem noch acht hohe Offiziere gehörten, heißt es in der Anklage. Zu den weiteren Beteiligten zählt das Tribunal unter anderen den noch flüchtigen Chef der bosnisch-serbisch Streitkräfte, General Ratko Mladic, sowie General Radislav Krstic, der wegen Völkermords in Srebrenica bereits zu 46 Jahren Haft verurteilt worden ist. Die Massaker werden auch Ex-Präsident Slobodan Milosevic zur Last gelegt. Er muss sich seit Donnerstag in Den Haag unter anderem wegen Völkermords in Bosnien verantworten.

Borovcanin wird von der Anklage persönlich und in seiner Führungsfunktion verantwortlich gemacht, auch weil er nichts getan habe, um die Verbrechen zu verhindern. Durch seine Anwesenheit am Ort einer Massenhinrichtung habe er Untergebende sogar noch ermutigt. In sechs Anklagepunkten werden ihm auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Genfer Konventionen zur Last gelegt. Wo Borovcanin sich aufhält, sagte das Tribunal nicht. (APA/dpa)

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