Naturstoffe statt Antibiotika

30. September 2002, 14:49
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EU will antibiotische Arzneien in Tierzucht verbieten - Ersatz durch Pflanzenstoffe

Wien - In der EU werden zunehmend Arzneistoffe wie Antibiotika in der Tierzucht verboten. Diese aus Konsumentensicht positive Entwicklung hat aber auch Nachteile, denn es besteht die Gefahr, dass bestimmte Tierkrankheiten wieder auftauchen. Pflanzliche Futterzusatzstoffe könnten hier Abhilfe schaffen. "Wir wissen, dass etwa Antibiotika zum Teil durch Phytopharmaka ersetzt werden können", erklärte Chlodwig Franz vom Institut für Angewandte Botanik der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Allerdings mangelt es bisher an wissenschaftlich fundierten Grundlagen zur Qualität, Wirksamkeit und Unbedinglichkeit solcher funktioneller Pflanzenstoffe.

Prüfung der Seriösität der Ersatzstoffe

Bisher gebe es nur einen "grauen Markt" für pflanzliche Futterzusatzstoffe wie ätherische Öle oder exotische Kräutermischungen, sagte VUW-Vizerektor Franz. "Wir wollen aber keinen Hokuspokus, sondern wissen, was ist seriös und was ist zu gebrauchen, sei es als pflanzlicher Futterzusatzstoff oder als pflanzliches Arzneimittel." Schließlich gibt auch die EU-Richtlinie für die tierische Produktion im biologischen Landbau Phytopharmaka den Vorzug gegenüber chemisch-synthetischen Arzneistoffen.

Naturheilmittel im Vormarsch

Und auch in der Heimtier- und Sportpferdemedizin zeige sich - wie in der Humanmedizin - der Trend zu Naturstoffen. Die Gründe dafür sehen die Wissenschafter im Wunsch vieler Tierhalter, ihre Begleiter vorzugsweise mit Naturheilmittel behandelt zu wissen. Mehrere Studien dazu hätten klar gezeigt, dass die Mehrzahl der Patientenbesitzer und auch der jüngeren Tierärzte Phytopharmaka gegenüber positiv eingestellt ist, es jedoch an Grundlagen und gezielten Entwicklungen mangelt.

Genau diese Grundlagen sollen in einem internationalen Projekt erforscht werden, das die VUW im Rahmen des 6. EU-Rahmenprogramms für Forschung und Entwicklung (2002-2006) durchführen will. Neben dem Projekt über die "Funktionellen Pflanzenstoffe in der Veterinärmedizin" hat die VUW siebzehn weitere "Expressions of Interest" eingereicht bzw. ist daran beteiligt.

Nahrungsmittelsicherheit

Vor allem in zwei Teilbereichen des EU-Programms hoffen die Wiener Veterinärmediziner punkten zu können. Dabei handelt es sich um "Nahrungsmittelsicherheit und Qualität" sowie um das Gebiet "Genomik". Ziel des Engagements im Bereich Nahrungsmittelsicherheit" sei es, auf die Lebensmittelkrisen der vergangenen Jahre (Stichwort: BSE) zu reagieren und eine höchstmögliche Sicherheit auf europäischer Ebene zu gewährleisten, sagte Franz. Im Bereich Genomik gehe es darum, die Ergebnisse der Entschlüsselung der Erbsubstanz zu Gunsten der Gesundheit sowie zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Biotechnologiebranche in Europa zu nutzen. (APA)

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