Amnesty-Bericht: Kinder als Zielscheibe im Nahost-Konflikt

30. September 2002, 20:18
40 Postings

250 palästinensische und 72 israelische Kinder in den letzten 23 Monaten getötet

London/Wien - Mehr als 250 palästinensische und 72 israelische Kinder wurden in den vergangenen 23 Monaten in Israel und den besetzten Gebieten getötet. Die Menschenrechts-Organisation amnesty international kritisiert in einem am Montag veröffentlichten Bericht, dass Kinder seit Beginn der laufenden Intifada "in noch nie da gewesener Weise zur Zielscheibe gemacht" werden und fordert Israel und die palästinensischen Autonomiebehörden auf, Kinder zu schützen. Sowohl die israelischen Streitkräfte als auch die bewaffneten palästinensischen Gruppen zeigen "keinerlei Respekt" für das Leben von Kindern und anderen Zivilisten", erklärt der Generalsekretär von ai-Österreich, Heinz Patzelt, am Montag in einer Presseaussendung.

In den besetzten Gebieten kamen die meisten palästinensischen Kinder ums Leben, als die israelische Armee "übermäßige und gesetzeswidrige Gewalt" gegen Demonstranten angewandt habe. Allein in den ersten drei Monaten der Intifada wurden dabei 80 palästinensische Kinder getötet. Die große Zahl getöteter und verletzter Kinder sowie die Umstände, unter denen sie starben, "weisen darauf hin, dass die israelische Armee sich wenig oder gar nicht bemühte, Kinder vor Schaden zu bewahren", kritisiert Amnesty.

Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2002 wurden 36 israelische Kinder von bewaffneten palästinensischen Gruppen getötet, 19 in Israel und 17 in den besetzten Gebieten. Etwa 70 Prozent der Opfer kamen seit Beginn der laufenden Intifada bei palästinensischen Selbstmordattentaten ums Leben, andere bei Schießereien oder Bombenangriffen auf Autos oder Busse. In den vergangenen 18 Monaten nahmen die Angriffe auf israelische Zivilisten deutlich zu, und immer mehr der Opfer waren Kinder.

Angehörige der israelischen Streitkräfte und Palästinensergruppen, die für den Tod von Kindern verantwortlich sind, werden nicht zur Rechenschaft gezogen. "Sowohl die israelische Regierung als auch die palästinensischen Autonomiebehörden müssen rasch handeln, damit der Tod jedes einzelnen Kindes untersucht wird und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden", fordert Patzelt.

Die internationale Gemeinschaft sollte der Aufforderung von ai und anderen NGOs Folge leisten und internationale Beobachter in die Region entsenden, fordert Amnesty in dem Bericht. Die israelische Regierung dürfe sich der Anwesenheit internationaler Beobachter nicht länger widersetzen. ai ist davon überzeugt, dass die Anwesenheit von Beobachtern seit Oktober 2000 sowohl das Leben von israelischen und palästinensischen Kindern als auch das Leben von anderen Zivilpersonen hätte retten können. (APA)

Share if you care.