"Ein Mordsspaß"

30. September 2002, 14:14
5 Postings

Die Ferrari-Dominanz lastet schwer auf der Formel 1, die Konkurrenz konnte in Indianapolis nicht mehr als raunzen

Indianapolis - Ein kurzes tippen auf das Bremspedal entschied am Sonntag den GP der USA in "Ferraropolis" (Copyright: "Alto Adige"). Michael Schumacher sorgte so für das knappste Foto-Finish der Geschichte und den Sieg des Rubens Barrichello. Anders als bei Schumachers Stallorder-Sieg von Spielberg hielt sích die Erregung diesmal aber in Grenzen. Die "Gazzetta dello Sport" gab sich versöhnlich: "Schumi gibt sich als großer Herr. Auf der Ziellinie überlässt er Barrichello den Sieg."

"Heute war eine gute Möglichkeit, Rubens einiges zurückzuzahlen. Ich wollte mit ihm nebeneinander über die Ziellinie fahren, aber das ist nicht ganz gelungen", witzelte Schumacher. Auch er wollte von einem Skandal logischer Weise nichts wissen: "Böse Absicht war es nicht. Im Leben geht es doch darum, fair und ehrlich zu sein. Wir haben in diesem Jahr schon so viele Rekorde gebrochen, da dachte ich, dass wir uns auch den knappsten Abstand in einem Rennen sichern sollten."

"Mordsspaß"

"Da war nichts abgesprochen, wir hatten einen Mordsspaß. Jetzt sind wir wieder quitt, wenn man an Österreich denkt", meinte Kollege und Profiteur Barrichello. Der Brasilianer freute sich über seinen vierten Saisonsieg und seine erste Vize-Weltmeisterschaft wie ein Schneekönig und wurde vom Publikum gefeiert. Auf Shows auf dem Siegerpodest wurde diesmal tunlichst verzichtet, wohl auch deshalb, weil Ferrari noch immer unter FIA-Bewährungsauflagen steht.

Zu Feiern gab es jedenfalls genug. Schumacher kam zum 21. Mal in Folge ohne Defekt ins Ziel, erstmals seit 1979 schaffte die Scuderia wieder das "Triple". Damals war Jody Scheckter vor Gilles Villeneuve Weltmeister und Ferrari Konstrukteurs-Champion geworden. Mit den nunmehr 205 Zählern durchbrach Ferrari als erstes Team seit Einführung der Marken-WM 1958 die Schallmauer von 200 Punkten.

Mieselsüchtige Konkurrenz

Die neuerlich gedemütigte Konkurrenz reagierte hingegen kritisch auf das Finish in Indy. "Nach Österreich war das nicht sehr clever. Das ist ein sehr sensibler und feindlicher Markt und die Menschen wollen echten Sport sehen, bei dem bis zum Schluss gekämpft wird", mäkelte etwa Eddie Jordan. "Die Menschen werden nicht mehr Formel 1 einschalten, wenn sie wissen, dass ein Rennen nicht durch echtes Racing entschieden wird," fürchtet der Ire um Marktanteile im TV.

Williams-Technikchef Patrick Head meinte: Das Ende hat gezeigt, dass die maßgeblichen Herren bei Ferrari glauben, dass Ferrari wichtiger ist als der Motorsport." Minardi-Boss Paul Stoddart sagte: "Keine Ahnung, warum sie es getan haben, aber viele Menschen werden sich wünschen, es wäre nie passiert."

Ferrari-Sportdirektor Jean Todt reagierte auf die mittlerweile schon ermüdende Kritik der Chancenlosen gelassen: "Wir kontrollieren hier gar nichts, wir versuchen nur unser Bestes zu geben und nicht auch noch gegeneinander zu kämpfen, wenn es nicht im Interesse des Unternehmens ist. Wir sind in einem Sport mit kommerziellen Interessen. Rubens ist glücklich, Michael ist glücklich, wir sind glücklich." (red/APA/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schumi und Barrichello - ein Herz und eine Seele

Share if you care.