Von Inländern und deren Ruhm

2. Oktober 2002, 09:34
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Die Austria spielt heute bei Schachtjor Donezk in der Ukraine um den Aufstieg in die zweite Runde des UEFA-Cups und ihre Zukunft

Donezk/Wien - Frank Stronach ist kein Mann, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Manchmal weiß man zwar nicht, was er meint, wenn er was sagt, aber das ist eine unter großen Männern häufige Angewohnheit, die Präzisierung der eigenen Rede anderen als Interpretationsfreiheit zu überantworten und sie so an den eigenen Gedanken und Taten teilhaben zu lassen. Wenn er sagt, er werde sich künftig mit Trainer Walter Schachner zusammensetzen, um zu diskutieren, ist nicht ganz klar, wie er das meint. Vielleicht ist das eine Folge der Personaldiskussionen der vergangenen Tage, vielleicht will Stronach häufiger in Wien sein, wenn die Austria häufiger gewinnt.

Sportmanager Peter Svetits wird zwar Alexander Manninger nicht verpflichten, wie er gestern sagte, aber er ist ständig auf der Suche nach weiteren Verbesserungen des Kaders. Seine Rolle als Informant Stronachs, der hinter dem Rücken des Trainers ungenügende Maßnahmen oder zweifelhafte Personalentscheidungen petzt, bestritt Svetits übrigens heftig. "Stronach liest den Pressespiegel, der mühevolle Sieg gegen Bregenz oder das Match gegen Ried, da bildet er sich auch seine Meinung. Und ich rede nicht über Veränderungen, ich ändere sofort." Man darf annehmen, dass Svetits für die Abwehr noch den einen oder anderen Mann im Auge hat.

Stronachs Lieblingsprojekt, die Wiener Austria, flog gestern in die Ukraine, um das 5:1 aus dem Hinspiel der ersten UEFA-Cup-Runde in einen Aufstieg umzumünzen. Der harte Kern der Austria-Fans wird sich das Match im Millennium-Tower als Kino geben (Eintritt zehn Euro, für registrierte Fans acht Euro), Stronach half mit, dass die Fans die TV-Rechte und das Recht erhielten, den Saal zu benützen. Er selbst leistet den Fans in Wien Gesellschaft.

Schon das letzte Spiel gegen den FC Kärnten gab sich Stronach auf der Westtribüne, er versprach den Anhängern, erzählte er nachher, noch lange auf die Austria aufpassen zu wollen. Seine Idee, den Vereinen aus dem TV-Topf (20 Prozent der Lizenzgebühren) als Belohnung für den Einsatz österreichischer Spieler verwenden zu wollen, bezeichnete Austria-Trainer Walter Schachner als nicht zielführend. Er ist darin einer Meinung mit Teamchef Hans Krankl, es werde dadurch wohl kaum zu einem vermehrten Einsatz von Österreichern kommen.

Die Austria hat ihr Inländerkontingent auf drei Mann reduziert: Tormann Mandl und die Mittelfeldspieler Flögel und Kapitän Wagner. Linz droht zum Reservisten zu werden, Hiden und Scharner sind wohl auf absehbare Zeit nur mehr Männer mit bestimmten Aufgaben. Schachner hält sich wie wahrscheinlich jeder Trainer der Welt an die Leute, die ihm helfen können, er und andere Trainer kriegen aus dem TV-Topf keinen Cent, und das ist gut so, denn abseits aller Probleme mit den Inländern darf die sportliche Beurteilung nicht durch andere Kriterien verwässert werden, oder Österreichs Vereine können gleich einpacken.

So oder so ist davon auszugehen, dass die Austria heute in Donezk nicht nur aufsteigt, sondern auch gewinnt, allein Janockos Hochform dürfte das garantieren, und Flögel und Wagner werden hinten schon alles richten. (Johann Skocek,DER STANDARD, Printausgabe 1.10.2002)

  • Die möglichen Aufstellungen und technischen Daten zum Rückspiel der ersten UEFA-Cup-Runde zwischen Schachtjor Donezk und Austria Wien am Dienstag:

    Schachtjor Donezk - Austria Wien Dienstag, 18:00 Uhr, Schiedsrichter: Paul McKeon/Irland. Hinspiel: 1:5.

    Schachtjor: Schutkow - Starostjak, Ndiaye, Timoschtschuk/Florea, Okoronkwo - Lewandowski, Worobjej, Bacharew, Gai - Bjelik, Aghahowa Ersatz: Kowalewski - Gleveckas, Konjuschenko, Popow, Damian, Rodriguez, Brandao, Pestrjakow Es fehlt: Subow (gesperrt)

    Austria: Mandl - Akoto, Ratajczyk, Dhedeene - Scharner, Flögel, M. Wagner, Panis - Janocko, Djalminha - Gilewicz Ersatz: Ziegler - Dospel, Martin Hiden, Julio Cesar, Hasek, Kvisvik, Hopfer, Rothbauer, Linz, Helstadt, Rushfeldt

    • Bild nicht mehr verfügbar

      So wurde im Hinspiel gejubelt: Gilewicz, Janocko und Djalminha.

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