Hutchison zeigt Interesse an angeschlagener MobilCom

30. September 2002, 13:31
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Preiswerter Einstieg ins deutsche UMTS-Geschäft

Frankfurt - Der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa prüft einem Medienbericht zufolge eine Beteiligung am Not leidenden Mobilfunkanbieter MobilCom. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete am Montag unter Berufung auf MobilCom-Kreise, dass es erste Kontakte zwischen beiden Unternehmen gebe. "Hutchison Whampoa gehört sicher zu denjenigen, die unsere Entwicklung im Blick haben", sagte auch MobilCom-Chef Thorsten Grenz dem Blatt. "Wir können aber erst dann mit einem Partner sprechen, wenn die Sanierung erfolgreich ist und klar ist, was mit den Schulden wird."

Für Hutchison böte MobilCom die Chance für einen preiswerten Einstieg ins deutsche UMTS-Geschäft. Branchenexperten schätzten den heutigen Wert der Lizenz auf nur noch eine Milliarde Euro. Im August 2000 hatte die MobilCom für eine der insgesamt sechs deutschen Lizenzen zusammen mit ihrem Partner France Telecom 8,4 Mrd. Euro gezahlt.

Schuldenberg

MobilCom droht derzeit unter einem Schuldenberg von 6,9 Mrd. Euro zusammenzubrechen, der mit dem Erwerb der Lizenz sowie den Kosten für den Aufbau der Mobilfunktechnik UMTS angehäuft wurde. Das am Neuen Markt gelistete Unternehmen hofft, dass der Großaktionär France Telecom die Schulden wie vereinbart doch noch übernimmt. Bei einem Schuldenerlass könne eine sanierte MobilCom mit einem Partner den derzeit eingefrorenen UMTS-Aufbau Mitte 2003 wieder aufnehmen, sagte Grenz der Zeitung. MobilCom wird derzeit durch eine Rettungsbeihilfe des Bundes von 50 Millionen Euro am Leben gehalten. Weitere Finanzhilfen sollen folgen. Die hoch verschuldete France Telecom hatte im Streit um die UMTS-Investitionen die Finanzierung eingestellt.

Grenz hatte am vergangenen Freitag im Rahmen der angestrebten Sanierung den Abbau von 1.850 der bundesweit insgesamt 4.200 Vollzeitarbeitsplätze angekündigt. Außerdem will das Unternehmen den Aufbau eines eigenen UMTS-Netzes auf Eis legen. Grenz machte deutlich, dass die Liquidität zur Umsetzung des 100 Mill. Euro teuren Restrukturierungsprogramms derzeit nicht ausreiche und das Unternehmen dringend weitere Mittel brauche, um wie geplant im ersten Halbjahr 2003 im Kerngeschäft wieder schwarze Zahlen zu schreiben. (APA/Reuters)

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