Streit um "optimale" Rückkehrberatung

7. Oktober 2002, 19:43
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Kritik von und an Innenminister Strasser

Wien - Die Asylwerber-Rückkehrberatung, wie sie von der Caritas betrieben werde, sei "nicht optimal". Flüchtlinge ohne Chance auf Asyl sollten "mehr in Richtung Rückkehr selbst" und "weniger in Richtung Notlager" orientiert werden, meinte Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) am Montag zu Beginn der zweiten Woche von Kontroversen um die heimische Flüchtlingspolitik.

Er erntete - erneut - Kritik. Der Minister sei offenbar "nicht gut informiert", entgegnete Caritas-Präsident Franz Küberl. Erstens sei die Caritas seit vielen Jahren in der Rückkehrerberatung tätig. Zweitens sei "die Hälfte jener in der Vorwoche in den Kosovo zurückgereisten Asylwerber" von der Caritas beraten worden.

Auf Caritas-Kosten allein: "Von einer vom Innenministerium genannten Summe von 700.000 Euro haben wir noch nichts gesehen."

Ohne Zwang

Rückkehrerberatung, wie die NGOs sie praktizierten, gehe "ohne Zwang" vonstatten, betont Andrea Huber, Leiterin des Caritas-Referats für Flüchtlinge und Migrationsfragen. Dementsprechend hätten sich die NGOs bei bisher zwei geplatzten "Ministeriumsgipfeln" für Notunterbringung und Beratung der aus der Bundesbetreuung entlassenen Asylwerber bis März 2003 ausgesprochen, ergänzte Christoph Riedl von der evangelischen Diakonie. Anschließend solle die Maßnahme "evaluiert werden".

Die Evaluierung solle schon nach einem Monat stattfinden, habe daraufhin Minister Strasser urgiert. "Wir verhandeln weiter - ohne Medienpräsenz", hieß es dazu aus dem Büro Strasser. Caritas, Diakonie, Volkshilfe, Arbeiter-Samariterbund und Rotes Kreuz gingen derweil daran, weitere Notquartiere für Flüchtlinge einzurichten. (DERSTANDARD, Printausgabe, 8.10.2002,bri)

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    Strasser will ohne Medienpräsenz weiter verhandeln

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