Graz: FPÖ-Listenstreit bringt Bürgerwehr ins Trudeln

1. Oktober 2002, 12:27
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Obmann überlegt Abgang - Welle von Rückrittsaufforderungen und -ankündigungen - Sonderparteitag steht im Raum

Graz - Der Listenstreit bei den Grazer Freiheitlichen geht weiter und hat mittlerweile die Vorfeldorganisationen erfasst: Bürgerwehr-Chef Alexander Lozinsek überlegt seinen Rückzug, weil er die politische Unterstützung durch Spitzenkandidat Peter Weinmeister als nicht mehr gegeben ansieht. Bis zur Klärung würden jedenfalls die Aktivitäten des Vereins ruhen, erklärte Lozinsek am Dienstag. Nach der umstrittenen Listen-Erstellung vom Wochenende wird inzwischen der Ruf nach einem Sonderparteitag laut.

Der Verein sei zwar unabhängig, das "Gerüst" bildeten aber FPÖ-Funktionäre und von der FPÖ komme auch die finanzielle und ideelle Unterstützung, erklärte Lozinsek. Zumal er aber nicht Eindruck habe, dass der Verein und seine Führung von "Hauptunterstützer" Stadtpartei-Obamnn Peter Weinmeister noch gewollt sei, werde er für sich in dieser Woche eine Entscheidung treffen bzw. eine Klärung im Vorstand des Vereins über dessen Zukunft herbeiführen.

Ihren unmittelbaren Ausgang nahmen die schweren Turbulenzen bei den Grazer Freiheitlichen am vergangen Wochenende im Zuge der Kandidatennominierung für die Gemeinderatswahl am 26. Jänner: Langzeit-Parteichef Peter Weinmeister brachte in der Stadtparteileitung "seine" Liste nicht durch, er selbst wurde zwar zum Spitzenkandidaten gekürt, auf den Plätzen wurden aber mit knappen Mehrheiten Bewerber gesetzt, die intern der "Knittelfelder Gruppe" zugerechnet werden. Postwendend legten die nicht zum Zuge gekommenen Funktionäre Weinmeister den Rücktritt nahe, weil er offenbar nur eine "Marionette" abgeben solle, die ihren Dienst mit der Wahl - und dem zu erwartenden schlechten Ergebnis - erfüllt habe.

Nach der harschen Kritik von Stadträtin Maxie-Uray Frick vom Montag ging am Dienstag die Welle der Rückstrittsaufforderungen und Rücktrittsankündigungen weiter: Gemeinderat Hans Mutschlechner legte die Obmannschaft beim Seniorenring zurück, Gemeinderat Volker Wetschnig sieht in der Kandidatenliste "eine Katastrophe für die Partei": "Weinmeister wäre gut beraten, die persönliche Konsequenzen zu ziehen".

Gemeinderat Lozinsek, für den auch der bei der Listenerstellung anwesende Landesobmann Leopold Schöggl "nicht mehr ernst zu nehmen ist, weil er den Überblick verloren hat", bestätigt, dass die Einberufung eines Sonderparteitags im Raum steht. Er werde einen solchen zwar nicht offensiv betreiben, würde aber dafür unterschreiben: "Es ist klar, dass dadurch der tiefe Graben eher noch tiefer wird. Aber die Farce einfach hinzunehmen hieße "Gute Nacht, FPÖ!". Nur der Ring Freiheitlicher Jugend mahnte zur Kontenance und bezeichnete Weinmeister als Spitzenkandidaten und Stadtparteiobmann als "unumstritten". (APA)

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    Die Bürgerwehr trudelt auf Grund der FP-Listenerstellung in Graz

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