Global 2000: Strommarktöffnung erhöhte Atomstromimporte

30. September 2002, 11:35
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Nur ein Prozent der Kunden wechselten Anbieter - EVN und TiWAG beziehen jede fünfte Kilowattstunde aus einem Atommeiler

Wien - Die Öffnung des österreichischen Strommarktes vor einem Jahr am 1. Oktober 2001 hat zu einem Anstieg des Atomstromanteils in Österreich geführt, kritisiert die Umweltschutzorganisation Global 2000 am Montag in einem Pressetext. "Nur knapp ein Prozent der Privatkunden haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht und den Stromlieferanten gewechselt. Durch die Liberalisierung stieg jedoch der Atomstromanteil kontinuierlich und liegt inzwischen bei 15 Prozent", alarmiert Heinz Högelsberger, Energiereferent bei den Umweltaktivisten.

Österreichische Spitzenreiter in Sachen Kernkraft-Energie seien die EVN und die TiWAG, wo jede fünfte Kilowattstunde aus einem Atommeiler stamme, ging aus einer gemeinsamen Kalkulation von Greenpeace und Global 2000 hervor. Rund 15 Prozent Atomstromanteil weisen der Aussendung zufolge Wienstrom und Switch auf, dicht gefolgt von Steweag, VKW, Energie AG und Steg. Atomstromfreie Lieferanten seien neben den Ökoanbietern lediglich die Bewag, Raiffeisen Wassermarkt und My Electric.

Atomstrom nicht gekennzeichnet

Global 2000 empörte sich auch darüber, dass es in Österreich nicht vorgeschrieben sei, Atomstrom zu kennzeichnen bzw. Kunden auf den Atomstromanteil aufmerksam zu machen. "Diese 'Lizenz zum Belügen' der Stromkunden wurde bis ins Jahr 2004 verlängert", ärgert sich Högelsberger. Die Sauberkeit von Atomstrom sei für Kunden ein wichtiges Kriterium.

Die Umweltorganisation kritisiert auch die österreichische Aufsichtsbehörde E-Control. Die E-Control erlaube Stromimporte aus Ländern wie Ungarn, Slowenien und der Slowakei und breche damit Paragraf 13 des ElWOG. "Damit wird erlaubt, dass österreichische Konsumenten sogar mit Strom aus den Skandalmeilern Bohunice, Mochovce oder Krsko beliefert werden und somit ungewollt den Weiterbetrieb dieser Reaktoren finanzieren", so Högelsberger.(APA)

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    foto:epa/knize
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