Börsen-Talfahrt und kein Ende

1. Oktober 2002, 09:54
11 Postings

Konjunkturpessimismus drückt DAX auf tiefsten Stand seit 1996

Frankfurt - Die Talfahrt an den Börsen hält an, und fast jede Woche wird der Kalender um ein weiteres Jahr zurückgerollt. Nachdem der deutsche Börsenindex DAX erst vor kurzem seinen tiefsten Stand seit fünf Jahren verzeichnete, haben anhaltende Konjunktursorgen, gepaart mit Kriegsängsten in Hinblick auf einen weiteren Golfkrieg, den Deutschen Aktienindex am Montag auf den tiefsten Stand seit Dezember 1996 gedrückt.

Schon kurz nach Eröffnung fielen die Kurse im Einklang mit anderen europäischen Börsen in beängstigendem Tempo; bis zum Bösenschluss vergrößerte sich das Minus auf 5,13 Prozent, nachdem der US-Einkaufsmanagerindex stärker als erwartet gefallen war.

131 Milliarden Monatsverlust

Damit hat die Marktkapitalisierung der 30 DAX-Unternehmen - zumindest auf dem Papier - einen Verlust in der Größe des norwegischen Bruttoinlandsprodukts erreicht; über 131 Milliarden waren diese Unternehmen Ende September weniger wert als zu Beginn des Monats. Dies ist der größte Monatsverlust seit einem Jahrzehnt.

Am Frankfurter Neuen Markt - der, wie berichtet, als Handelssegment aufgelöst werden soll - könnte sich bis Jahresende die Zahl der Insolvenzen von bisher 30 auf 60 verdoppeln, befürchtet die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Aktionärsschützer fordern darum eine stärkere persönliche Verantwortung von Vorstand und Aufsichtsrat in Form einer Haftung für Schadenersatz bei Fahrlässigkeit.

Einziger Lichtblick: Nach den hohen Verlusten vom Vortag hat die Frankfurter Börse am Dienstag freundlich eröffnet. Analysten sprechen jedoch nur von einer leichten technischen Erholung.

Auch US-Börsen schwächer

Ein Boden des Niedergangs, der in diesem Jahr schon des Öfteren wie eine Fata Morgana auftauchte, ist weiterhin nicht in Sicht. Auch die US-Börsen konnten das nach der Veröffentlichung des deutlich unter den Erwartungen berichteten Chicagoer Einkaufsmanagerindex sehr deutliche Minus im weiteren Handelsverlauf zwar sukzessive verringern, den Weg in die Gewinnzone fanden sie jedoch nicht. Am Ende des Tages blieb es bei deutlich tieferen Kursen.

Zinssenkung?

Aufhorchen ließ am Montag eine Bemerkung aus Kreisen der US-Notenbank, wonach der Leitzins gesenkt werden könnte. Die Fed habe nach Worten des New Yorker Fed-Chefs William McDonough Spielraum für weitere konjunkturstützende Leitzinssenkungen. Das stimmberechtigte Mitglied im zinspolitischen Ausschuss der Fed sagte, Fragen, ob die Fed noch Spielraum für geldpolitische Lockerungen habe, könnten nur so beantwortet werden: "Natürlich haben wir das." Es sei zudem sehr wahrscheinlich, dass sich die US-Wirtschaft gut entwickeln werde.

Die Fed hat in diesem Jahr den Leitzins unverändert bei 1,75 Prozent gelassen, nachdem sie ihn 2001 wegen der drastischen Konjunkturabkühlung in elf Schritten um insgesamt 475 Basispunkte gesenkt hatte. Einige Analysten erwarten angesichts der schleppenden Wirtschaftserholung, dass die US-Notenbank bis Ende dieses Jahres ihre Geldpolitik weiter lockern wird. (red, Reuters, APA)

-->Aktuelle Marktberichte

Zum Thema
Marktberichte
Share if you care.