Hutchison Whampoa hat kein Interesse an MobilCom

30. September 2002, 15:15
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UMTS-Kredit bis 14. Oktober gestundet - MobilCom-Betriebsräte treten in Verhandlungen mit Vorstand

Der finanziell angeschlagene deutsche Mobilfunkanbieter MobilCom hat nach eigenen Angaben mit den Gläubigerbanken die Stundung seiner mit Ende September fälligen UMTS-Kredite über 4,7 Mrd. Euro sowie der Zinsen bis zum 14. Oktober vereinbart.

"Wir bekräftigen, dass wir kein Interesse an MobilCom haben"

Der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa will nach eigenen Angaben nicht bei MobilCom einsteigen. "Wir bekräftigen, dass wir kein Interesse an MobilCom haben", sagte Hutchison-Sprecherin Nora Yong am Montag in Hongkong. Zuvor hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, der Hutchison-Großaktionär Li Ka Shing erwäge einen Einstieg bei MobilCom.

Wiederholt genannt

Hutchison Whampoa unter Führung des Hongkonger Milliardärs Li Ka-Shin ist in den vergangenen Monaten wiederholt als möglicher Partner von Mobilcom genannt worden. Der Konzern war bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen in Deutschland vor zwei Jahren als Partner von E-Plus aufgetreten. Danach hatte sich Hutchison Whampoa aber zurückgezogen und dies mit den hohen Lizenzkosten begründet.

Damals hatten insgesamt sechs Konsortien und Einzelunternehmen für die UMTS-Lizenzen 51 Mrd. Euro bezahlt. Der inzwischen stark angeschlagene Mobilfunkanbieter Mobilcom hatte mit Hilfe seines Großaktionärs France Telecom 8,4 Mrd. Euro für seine Lizenz gezahlt.

Finanzkräftig

Im Juni hatte Hutchison Whampoa erneut Interesse an einem Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt erkennen lassen. Der Konzern gilt wegen seiner Finanzkraft als einziger ernster neuer Wettbewerber im europäischen Mobilfunkmarkt.

MobilCom hofft nun vor allem, dass der von der deutschen Regierung als Vermittler eingesetzte frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel France Telecom dazu bewegen kann, die Schulden von 6,9 Mrd. Euro zu übernehmen. Entschuldet könnte das Unternehmen dann einen Neuanfang machen. Die selbst bei Banken und Investoren tief in der Kreide stehende France Telecom hatte erst jüngst ihr Engagement aufgekündigt und damit die Krise bei Mobilcom verschärft.

Verhandlungen

Die Betriebsräte des angeschlagenen Konzerns werden unterdessen in dieser Woche mit dem Vorstand in Verhandlungen über das Sanierungskonzept treten. Dabei soll es neben den Beratungen über einen Sozialplan und eine mögliche Auffanggesellschaft um die Frage gehen, ob der angekündigte Stellenabbau von 1.850 Vollzeitarbeitsplätzen in diesem Umfang notwendig ist, wie ein IG-Metall-Sprecher am Montag in Hamburg sagte. Die Arbeitnehmervertreter aller MobilCom-Standorte berieten am Montag in der Hansestadt intern in ihrem Gremium über das Konzept. (APA)

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