Massenkarambolage auf der Westautobahn: Achtes Opfer gestorben

2. Oktober 2002, 19:03
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Katastrophe wird Fall für den Staatsanwalt - Ermittlungen laufen vorerst gegen "unbekannte Täter"

Linz/Wien - Die Massenkarambolagen auf der Westautobahn in Oberösterreich haben ein achtes Todesopfer gefordert. Ein 61-jähriger Salzburger starb am Mittwoch im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft Wels hat unterdessen Ermittlungen aufgenommen. Die Autobahngesellschaft Asfinag weist den Vorwurf, in nebelgefährdeten Gebieten untätig gewesen zu sein, zurück.

Harald Dirnbacher, Asfinag-Pressesprecher, kann die Vorwürfe der Autofahrerklubs nicht ganz nachvollziehen. "Es war immer geplant, nach der Fertigstellung des Verkehrsinformationsszentrums in Inzersdorf eine zentrale Verkehrsbeeinflussungsanlage zu starten, mit der auf örtliche Vorfälle reagiert werden kann." Nach den aktuellen Unfällen will man nun in einigen Gegenden unabhängig agierende Überkopfnebelwarner installieren, die später in das zentrale System integriert werden.

Auch bei der Gendarmerie weist man Vorwürfe, nicht rechtzeitig vor der Witterung gewarnt zu haben, zurück. "Wir werden zwar bei Nebel zukünftig stärker präsent sein. Das Problem ist aber, dass manche Lenker nur kurz abbremsen wenn sie uns sehen und dann gleich wieder Gas geben", erläutert Klaus Scherleitner von der Verkehrsabteilung.

30 Minuten nach dem ersten Krach begann die Spurensicherung

Bereits 30 Minuten nachdem es zum ersten Mal "gekracht" hatte, begann die Spurensicherung im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wels. "Es wurde alles bis ins kleinste Detail dokumentiert", so die Leitende Welser Staatsanwältin Ulrike Althuber.

Ermittlungen laufen vorerst gegen "unbekannte Täter"

Mehrere Straftatbestände kommen für Althuber in Frage: fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Gemeingefährdung. Die Ermittlungen laufen vorerst gegen "unbekannte Täter". Zur Verantwortung gezogen dürften aber schließlich vor allem jene Lenker werden, die trotz des Nebels zu schnell unterwegs waren. "Man muss auch auf einer Autobahn mit Hindernissen rechnen, das zeigt die bisherige Rechtsprechung, und eine plötzlich auftretende Nebelwand ist so ein Hindernis", erläuterte Althuber.

Position jedes einzelnen der mehr als 90 Fahrzeuge wurde festgehalten

Ein Sachverständiger und die Gendarmerie haben den Unfallhergang an Ort und Stelle genau erfasst. Es wurde die Position jedes einzelnen der insgesamt mehr als 90 beteiligten Fahrzeuge festgehalten. Jedes Auto bekam eine Nummer, alle Wracks wurden oder werden einzeln untersucht. "Dabei geht es vor allem um die Dokumentation der Schäden, ob sich diese zum Beispiel im vorderen oder im hinteren Bereich oder seitlich befinden", so Althuber. Ebenso wurden nach Möglichkeit in jedem Einzelfall die Bremsspuren erfasst. Vom gesamten Unfallgeschehen wurden Luftaufnahmen gemacht.

Medizinische Sachverständige wurden bestellt, um die genauen Verletzungen und die Todesursache der ums Leben Gekommenen zu dokumentieren.((moe/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2002/APA)

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    Eine folgenschwere Massenkarambolage auf der Westautobahn (A1) zwischen Seewalchen und Schörfling (Oberösterreich) die sich im dichten Nebel am Montag ereignete, forderte zahlreiche - zum Teil - Schwerstverletzte und acht Todesopfer.

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    Ein "Autoberg" blieb zurück.

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    (Zum Vergrößern)

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