Das Kreuz kracht beim Steineschupfen

7. Oktober 2002, 13:52
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Um ein Erdloch vor dem Wochenendhaus zu füllen, braucht man: Schotter, Topfen- strudel, einen starken Rücken. Und Ideen zur Behebung der Hochwasserschäden

Rottenegg/Walding - Ein Loch ist im Garten - "Wie wer' ma denn des wieda zuabringa?" Mutter Gerlinde grübelt. Ihr Mann Erhard hat die Idee: "Der Lkw kommt mit einer Fuhr' Erde, dann legen wir von oben eine Rutsche. Obaschütt'n, passt." Nicht einmal den Gartenzaun müsse er abbauen. So einfach wär's, wäre die Straße ein wenig breiter. Ob der Lkw zufahren kann?

Rund um das Wochenendhaus der Klausbergers in Rottenegg ist während des Hochwassers die Rodl über die Gartenmauer geschwappt, gleichzeitig wurde das Wasser unter der Mauer durchgedrückt. Auf dem Grundstück das Wasser einen Wirbel gebildet - und ist dann wieder abgeronnen. Zurück blieb ein Loch: Schutzmauer, Hollywoodschaukel, Steinstufen - alles weg.

Sohn Günther macht sich mit Freundin Ilona derweil an die Arbeit: Steineschupfen. Große Brocken, die weggerissen wurden, plumpsen zurück ins Gartenloch. Das Kreuz kracht und schmerzt. Ilona fühlt ihre Arme länger und länger werden. Sie schaufelt den Schotter, der einmal unter der Rasenfläche lagerte, in Kübel. Alles Material, mit dem frühere Hausbesitzer den Garten befestigt haben.

Nur der schwächste aller Bauten auf dem Grundstück hat das Hochwasser fast unbeschadet überstanden: die Holzhütte. Die ist jetzt nur vorne ein bisserl nackt anzusehen, weil "es den Balkon 'putzt hat". Die paar Zentimeter Wasser im Wohn- und Schlafraum - "jo mei, des trocknet eh wieder." Gerlinde erschüttert das nicht. Der Ofen wärmt, Kaffee und Topfenstrudel dampfen. Sie freut sich, weil ihre Blumen noch immer kräftig blühen. Gemütlich ist's beim Haus Rodltal 25.

Ob sie als Wochenendhausbesitzer entschädigt werden, wissen Günther und Ilona nicht. Sie haben keinen Nebenwohnsitz hier, das Haus erst vor kurzem für sich und die Eltern gekauft. In der Gemeinde wird noch "über eine Sonderregelung" mit der oberösterreichischen Landesbehörde verhandelt, macht der Amtsleiter Hoffnung auf "zumindest a bisserl was" an Geld zur Reparatur der Schäden. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2002)

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