Herbergssuche mit Hindernis

29. September 2002, 21:14
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NGO-Gipfel über Asylwerberobdach im Ministerium, Strasser beschuldigt FPÖ

Traiskirchen/Wien - Am Wochenende blieb die befürchtete "Freisetzung" von 360 Flüchtlingen aus. Wider Erwarten sei "kein einziger Asylwerber" aus dem Lager Traiskirchen entlassen worden, erzählt Mirjami Ritschke von der evangelischen Flüchtlingshilfe. Unter anderem weil sich in den Büros des Bundesasylamtes kein einziger Beamter befunden habe, der diese Entlassungen hätte durchführen können.

Überdies habe am Samstag und am Sonntag "der Asylwerberzuzug nachgelassen", führt Wolf Szymanski, Leiter der Fremdensektion in Innenministerium, ins Treffen: Die Situation habe sich "entspannt", zumal - was die Unterbringung von Asylwerbern ohne Anspruch auf Bundesbetreuung angehe - "eine Perspektive erkennbar" sei.

Diese erblickt der Sektionschef zum Beispiel in der Schlagergasse in Wien-Alsergrund, wo das Rote Kreuz für 200 Asylwerber ein Quartier eröffnet hat. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten, so Szymanski, müssten noch aufgetan werden. Vor allem "für die vielen Kosovaren, die um Asyl ansuchen, weil sie glauben, in Österreich Arbeit finden zu können".

Diesen Menschen werde man "in den kommenden Tagen nahe legen, nach Hause zurückzufahren", kündigt Szymanski an. Auf eigene Kosten. Die Frage "vorübergehenden Quartiers" für sie werde man am Montag im Ministerium erläutern. Bei einem so genannten "NGO-Gipfel".

"Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", widerspricht Christoph Riedl, Leiter der diakonischen evangelischen Flüchtlingsstellen. Er rechnet in dieser Woche, nach endgültigem Inkrafttreten der neuen Asylwerberrichtlinie am 1. Oktober, mit "bis zu 1000 Obdachlosen". Eine solche hohe Zahl, so Riedl, könnten die Hilfsorganisation nicht verkraften: "Der Staat" sei aufgerufen, quer durch ganz Österreich Wohnmöglichkeiten zu eröffnen.

Dieser Ansicht ist auch der Traiskirchener Bürgermeister Fritz Knotzer (SPÖ). Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) solle die einem Pensionsinhaber für Unterkunft und Verköstigung eines Asylwerbers täglich zukommende Summe von derzeit 13,08 Euro wieder auf 16,35 Euro erhöhen, "dann werden sich schon genügend Plätze finden". Während Strasser selbst in einem NÖN-Interview dem abgesprungenen Koalitionspartner Schuld am Asylwerberelend gibt: Das Ausscheiden der FPÖ aus der Regierung habe "entscheidende Neuerungen" hintangehalten, zum Beispiel die Möglichkeit, Migranten an der Grenze zurückzuweisen, wenn ihnen entsprechende Asylgründe fehlten. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2002)

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