Energische Giganten

29. September 2002, 19:28
posten

Die Gasmarktliberalisierung bringt die heimischen Unternehmen unter Druck - Von Clemens Rosenkranz

Die Liberalisierung des österreichischen Gasmarktes diese Woche wird wie bei der Telekommunikation eine heftige Preisschlacht auslösen. Das freut zwar die Kunden, bringt aber die verglichen mit Europas Versorgungsriesen schwachbrüstigen heimischen Unternehmen massiv unter Druck.

Zwei Riesen, Gaz de France und RWE, sind schon da, nun kommt auch die Ruhrgas nach Österreich. Dieses energetische Trio hat genug bilanzielle Kräfte, um zumindest eine Zeit lang unter Einstandskosten anbieten zu können. Um von der Liberalisierung nicht überrollt zu werden, haben die OMV und die ostösterreichischen Landesgasversorger bei den Großkunden eine Verteidigungsallianz geschlossen. Ob dieses taktische Zusammengehen reicht, ist mehr als zweifelhaft, denn nur eine echte Fusion würde die erforderlichen Einsparungen bringen, die den Kunden direkt zugute kommen könnten.

Der Einstieg der Ruhrgas wird vermutlich über das Gas hinausgehen und auch den Druck auf die fusionsscheuen heimischen Strombosse erhöhen. Schließlich steht Ruhrgas vor der Ehe mit dem deutschen Energieriesen E.ON. Da diese Elefantenhochzeit so gut wie fix ist, hat das Paar schon das Aufgebot bestellt, vor dem Kirchgang müssen E.ON und Ruhrgas nur noch lästige Klagen der Konkurrenten überstehen.

E.ON hat in Österreich noch eine Rechnung offen: Die schon fixierte Wasserkraftfusion mit dem Verbund wurde von Kanzler Wolfgang Schüssel wieder gekippt. Nun dürfte der Münchener Konzern im Schlepptau der Ruhrgas gestärkt nach Österreich zurückkommen. Mit der Marktöffnung für Gewerbe und Haushalte steht einem Kampf der Titanen nichts im Weg. Ob sich dieser rechnen wird, ist aber äußerst fraglich, für die Gasriesen ist Österreich offenbar nur ein Testmarkt.

Share if you care.