Umwelt bleibt für Grüne entscheidend

29. September 2002, 18:59
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Auch wenn sie als "normale" Partei gelten, herrschen Ängste der Autofahrer vor - mit Grafik

Linz - Für sechs von zehn Österreichern haben die Grünen das Image einer Protestpartei abgelegt, sie werden als eine Partei wie jede andere empfunden. Und dennoch ist das Gründungs- und Protestthema "Umwelt" für das Bild der grünen Partei weiter prägend: Als stärkstes Motiv, die Grünen nicht zu wählen, wird in der jüngsten market-Umfrage genannt: "Die Grünen würden den Autofahrern das Leben schwer machen und Benzin verteuern." 70 Prozent der Österreicher nennen das als möglichen Grund, nicht grün zu wählen.

Allerdings sagen immerhin 24 Prozent (doppelt so viele, wie die Grünen derzeit in Wahlumfragen erreichen), dass das Autofahr-Argument nicht als Argument gegen die Grünen gelte - was übrigens auch Eva Glawischnig in der ORF-"Pressestunde" unterstrichen hat. Und: Dass Umweltschutz durch die Grünen mehr Gewicht bekäme, gilt ebenso (für 71 Prozent) als mögliche Motivation, Grün zu wählen, unmittelbar gefolgt von der Versicherung, dass die Grünen keine Abfangjäger kaufen würden.

"So entscheidend das Umweltthema für die Grünen bleibt - es ist ihnen inzwischen gelungen, eine Vielzahl von Themen in der öffentlichen Wahrnehmung zu besetzen", sagt market-Chef Werner Beutelmeyer unter Hinweis auf die für den STANDARD erstellte Liste der möglichen Wahlmotive: Dort rangiert das Ausländerthema bereits an dritter Stelle, mehr als 40 Prozent sehen die Grünen als eine Partei, die Politik für Frauen und für sozial Schwache macht.

Und immerhin 57 Prozent können sich für das Argument erwärmen, dass die Grünen einmal Gelegenheit bekommen sollten, selbst mitzuregieren. Während auch das Lob für den Parteichef Alexander Van der Bellen (48 Prozent) aus der Liste ablesbar ist, fallen die geringen Nennungen für "Politik mit Augenmaß" (31 Prozent) und "richtige Lösungen für die nächsten Jahre" (17 Prozent) auf.

Das ist quasi eine Spiegelung der schon erwähnten Negativliste - also jener Argumente, die gegen die Grünen sprechen. Nach dem Argument "teureres Autofahren" (70 Prozent) kommt gleich "die Grünen übertreiben mit vielen ihrer Aussagen" (58 Prozent) und "man weiß eigentlich nicht, welche Personen für Spitzenämter infrage kommen" (56).

Dass die Grünen "zu linkslastig" wären ist ein Argument, das bei älteren und wenig gebildeten Befragten sowie in ländlichen Regionen besonders stark (nämlich bei jedem zweiten Befragten) wirkt. In Wien und unter Akademikern gilt das deutlich weniger. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2002)

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