Teleshop-Schock

30. September 2002, 20:07
2 Postings

30.9.2002 - Schrecklich und eigenartig, wenn man jenen Sender, den man lieb hat, plötzlich nicht mehr zu erkennen glaubt ...

... Das passiert in Zeiten, da das Geldverdienen Medien etwas schwerer fällt, öfters. n-tv etwa, am Sonntag. Was gibt es Neues auf der Welt? Statt der gelassenen Nachrichtenstimme allerdings ein Knacken und Rauschen, Karotten lassen ihr Leben, es ist ein grausames Konzert der Küchengeräte, das man da miterlebt - und zwei heitere Menschen jubeln, als wäre der Weltfrieden nun endlich ausgebrochen!

"Wie da die Post abgeht!" - "Das ist toll, und fertig ist die Mayo!" Später noch exaltiertes Anpreisen von Heimwerkergeräten, die alles können. Natürlich. Dazu noch der Spezialkleber, und fertig ist das Bastlerglück, eigentlich vollkommen. Ein Anruf genügt. Aber bitte schnell. Die Vorräte gehen schon zur Neige. Die Bestelltelefone glühen. Ja, es ist Teleshoppingzeit beim Nachrichtensender, und das ist eine seltsame Zeit. Man fühlt sich, als würde man über gute Freunde Dinge erfahren, die man weder vermutet hat noch wissen will. Es ist, als ginge der Sender fremd.

Als hätte man sich in ihm getäuscht. Teleshopping kennt man doch nur von schlaflosen TV-Nächten oder von zu frühen Morgenstunden. In lebhafter Erinnerung sind Bandscheibenvorfälle durch angepriesene Bauch-weg-Geräte und das Gefühl von Übelkeit - angesichts von grausamen Haarentfernung-Sprays. Zur vollen Stunde war der Werbespuk vorbei. Aber wir werden noch Zeit brauchen, um n-tv den Seitensprung zu vergeben. (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2002)

Share if you care.