Russland hat bei den Anleihen die Nase vorne

4. Oktober 2002, 15:47
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Capitalinvest: Renditen zwischen acht und zehn Prozent bei russischen Anleihen und zwischen sechs und acht Prozent bei den Beitrittskandidaten

Russland hat sich im Vergleich der mittel- und osteuropäischen Märkte am besten entwickelt. Daher sieht Margarete Strasser, Fondsmanagerin Anleihen bei der Fondsgesellschaft Capitalinvest, auch dort die größten Renditechancen: "In den nächsten zwei bis drei Jahren kann man mit Renditen zwischen acht und zehn Prozent rechnen", sagte sie bei einem Investmentseminar der Capitalinvest in Krakau.

Der Grund ihrer Vorliebe für Russland: "Wir haben dort eine Flat Tax von 13 Prozent, die ausländischen Direktinvestitionen haben sich verdoppelt. Vor allem aus Zypern fließt Geld. Die Russen parken dort ihr Geld. Dass wieder Geld von dort zurückfließt, heißt: Sie glauben wieder selber an ihr Land." Allerdings meinte die Expertin auch, das Wachstum hänge noch immer "massiv mit dem Ölpreis zusammen". Aber nicht zuletzt die straffe und strikte Finanzpolitik lasse auf umfassende Änderungen hoffen.

"Hände weg von der Türkei"

Dagegen hält Strasser wenig von der Türkei: "Hände weg von der Türkei, zumindest bis zu den Wahlen. Die Türkei könnte zu einem zweiten Argentinien werden, wenn es keine Reformen gibt."

Optimistisch ist die Capitalinvest-Expertin für den gesamten osteuropäischen Raum: Sie sieht in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Renditeplus von sechs bis acht Prozent. Der Grund für das Vertrauen in die mitteleuropäischen Kandidatenländer für einen EU-Beitritt: Die Spreads entwickeln sich Richtung Euroniveau. Kurzfristig seien zwar Einbrüche in den Währungen möglich, längerfristig aber könnten die Währungen einen positiven Performancebeitrag leisten. Eine Beimischung von 10,2 Prozent Zentraleuropaanleihen im Portfolio reduziere das Risiko und erhöhe den Ertrag, so Strasser. Derzeit setzt die Capitalinvest auf eine neutrale Aktienquote, ein Thema seien die Emerging Marktes, und hier sieht Aktien-Bereichsleiter Paul Severin Osteuropa klar vor Asien und Lateinamerika. Was die Gesellschaft auch weiter auf die Märkte im Osten setzen lässt.

Hannes Saleta, neuer Vorstand für den Bereich Osteuropa, erklärte: "In Polen, Ungarn und Kroatien streben wir binnen fünf Jahren einen Marktanteil von zwölf bis 14 Prozent an." Derzeit liegt Polen bei drei Prozent, Ungarn bei sechs Prozent, Kroatien bei acht Prozent. In Österreich selbst ist die Capitalinvest mit mehr als 60 Prozent Marktanteil Marktführer.(Esther Mitterstieler aus Krakau, Der Standard, Printausgabe, 30.09.2002)

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    foto: derstandard.at
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