Mitsubishi lenkt jetzt selbst

29. September 2002, 19:25
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Mit Politik der straffen Hand will DaimlerChrysler-Tochter in Europa Krise meistern

Paris - "Wir haben jetzt das Lenkrad selbst in der Hand und nehmen sie nur runter, um vorwärts zu schalten. Hinten sitzen die Importeure." - Stefan Jacoby, Präsident von Mitsubishi Motor Sales Europe B.V., sieht im Gespräch mit dem STANDARD den Kurswechsel bei der DaimlerChrysler-Tochter als echte Kulturrevolution. Bis vor kurzem habe jeder Importeur nach eigenem Gutdünken agiert, nun soll eine einheitliche Linie dem Wildwuchs ein Ende setzen, das Markenprofil schärfen und Einsparungen bringen.

Der marode Fernost-Autobauer kommt unter Leitung des von DaimlerChrysler eingesetzten Firmenchefs Rolf Eckrodt schneller wieder in die Gänge als von Experten erwartet. Hilfreich ist das Revival von Japans Autoindustrie - erstmals seit Jahren startet diese heuer wieder durch.

Kosten im Griff

Den härtesten Sanierungsbrocken, die Kosten, dürfte Mitsubishi, mit zuletzt global 1,2 Mio. produzierten Pkw Japans Nummer 4, im Griff haben. Im Fiskaljahr 2001/2002 (per März) wies die Firma, in der DaimlerChrysler mit 37,3 Prozent Beteiligung das Sagen hat, rund 90 Mio. EURO Gewinn aus. Nach den hohen Verlusten davor sei dies ein gutes Ergebnis, wenn auch noch weit entfernt von der angestrebten Rendite von drei, vier Prozent.

In Europa arbeite man weiter defizitär, der Turnaround sei für 2004 geplant, "eventuell schaffen wir das schon 2003". Ein Grund für den Optimismus heißt Produktoffensive: Bis 2007 gehen zwölf neue Modelle ins Rennen. Im Vorjahr wurden in Europa 213.000 Mitsubishis abgesetzt (ein Prozent Europa-Marktanteil) und ein Verlust in Höhe von 260 Mio. EURO eingefahren. Heuer werde man sich "deutlich verbessern", verspricht der Manager, das Minus bleibt aber wohl im dreistelligen Millionenbereich.

Expansion in Ostmitteleuropa

Neben Konsolidierung im EU-Raum setzt Mitsubishi auf Expansion in Ostmitteleuropa. Produktionsseitig konzentriert man sich auf den Umbau des Nedcar-Werks in Holland, darüber hinaus "denken wir über vieles nach". Ab 2004 laufen bei Nedcar, wo Mitsubishi sich die Produktionsanlagen derzeit mit der Ford-Tochter Volvo teilt, neue Modelle vom Band. Bei Vollauslastung wären es über 100.000 Autos jährlich. Davor wird umgebaut, "wir müssen die Fabrik in Ordnung bringen".

Die Politik der straffen Hand setzt sich in Marketing (europaweite Vereinheitlichung) und Distribution fort. Dazu ordne man die Verkaufsorganisation neu, 20 Prozent Kostenersparnis hätten schon die ersten Schritte gebracht. Im Zuge der von Brüssel verfügten Neuordnung des Neuwagenverkaufs (GVO neu) hat Mitsubishi sich für das selektive Modell entschieden, Ende September, also jetzt, müssten alle 16 Importeure, darunter auch die österreichische Denzel-Gruppe, unterschrieben haben. "Ein paar sind noch ausständig", räumt Jacoby ein.

Das einheitliche Vertragswerk soll das Händlernetz qualitativ aufwerten - ausgedünnt wird es dabei auch. Derzeit gibt es in Europa 2900 Mitsubishi-Outlets, in Österreich - inklusive Subhändler - gut 120, rund 2200 würden es 2005 sein, schließt Jacoby.(Andreas Stockinger, Der Standard, Printausgabe, 30.09.2002)

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