Gasmarktöffnung lockt Ruhrgas

29. September 2002, 19:00
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Der deutsche Ruhrgas-Konzern will den Markt über den Einstieg bei einer Tochter der Salzburg AG aufmischen

Wien - Die deutsche Ruhrgas will mit der Liberalisierung des Gasmarktes in Österreich voll durchstarten. Vehikel für das Aufmischen des heimischen Marktes soll die Salzburg AG werden. Objekt der Begierde ist MyElectric, das gemeinsame Vertriebsvehikel von Verbund und Salzburg AG. Das noch fehlende grüne Licht der Aufsichtsorgane ist nur noch eine Formsache, hört man hinter den Kulissen. Der Ruhrgas-Einstieg gilt in der Energiebranche schon als beschlossene Sache.

Zwar verhandelt MyElectric auch mit Econgas, der neuen Großkundengesellschaft aus OMV und den östlichen Landesgasgesellschaften (EVN, Begas, Wiengas, Oberösterreichische Ferngas und Linz AG). Aber die Würfel zugunsten der Deutschen sind offenbar schon gefallen. "Ziel einer Partnerschaft müssen erkennbare Vorteile für Unternehmen, Kunden und Eigentümer sein. Diese haben wir bei der österreichischen Stromlösung nicht nachvollziehen können, beim Gas ist es nicht unähnlich", sagte MyElectric-Geschäftsführer Michael Strebl.

In den Vorstandsetagen der beteiligten Unternehmen herrscht beredtes Schweigen über den Deal und die Auswirkungen. Branchenkenner erwarten, dass die Deutschen den Markt mit Kampfpreisen aufmischen wollen. Hauptstoßrichtung der Expansion dürfte wohl Wien sein, in der Bundeshauptstadt sitzen mehr als 700.000 der insgesamt 1,1 Million Gaskunden in Österreich. Niederösterreichs EVN hat 240.000 Kunden, die Oberösterreichische Ferngas 130.000.


OMV bleibt gelassen

Beim 50-Prozent-Eigentümer der Encongas, der OMV, lässt man sich vom Einstieg des Rivalen Ruhrgas nicht aus dem Konzept bringen. Das sei ein normaler Vorgang im Zuge der Liberalisierung, sagte ein Konzernsprecher. Schließlich seien schon die RWE (Kärnten) und die Gaz de France (Steiermark) in den österreichischen Gasmarkt eingestiegen.

Dagegen dürfte der Abschluss zwischen den Salzburgern und der Ruhrgas ein herber Schlag für die Energie AG Oberösterreich sein, die gut 26 Prozent an der Salzburg AG hält. Anders als bei einem direkten Einstieg bei der Salzburg AG können die Linzer bei MyElectric nicht ihr Veto einlegen. Damit steht die EAG vor einer ähnlichen Situation wie der Verbund, der nach dem Einstieg der deutschen RWE mit 35 Prozent am Kärntner Landesstromversorger beteiligt ist, aber de facto nichts zu reden hat.

Die Sorgen heimischer Energiemanager, Österreich könnte zum Schlachtfeld für die großen europäischen Player werden, sind nicht unberechtigt. Schließlich ist die Fusion von E.ON und Ruhrgas nur noch eine Frage der Zeit. Dann könnte der deutsche Stromriese E.ON im zweiten Anlauf doch noch in Österreich eine starke Marktposition erringen. Auch dafür könnte das Vehikel MyElectric mehr als gute Dienste leisten. Sie bräuchten damit nicht Millionen für die Schaffung einer eigenen Marke auf den Tisch legen. (Clemens Rosenkranz, Der Standard, Printausgabe, 30.09.2002)

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Ruhrgas

  • Filterseparatoren der Erdgasstation Baumgarten.
    foto: omv

    Filterseparatoren der Erdgasstation Baumgarten.

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