Was haben Hans Krankl und die Börsen gemein?

6. Oktober 2002, 19:22
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Der heimische Teamchef lehrt eindringlich „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ - Auch Anleger sollten den Mut nicht völlig verlieren - Gastkommentar von Michael Margules

Was haben Hans Krankl und die Börsen gemein

Aus Schaden wird man klug. So lautet ein altes Sprichwort, das auch im Anlagebereich gilt. Welche Lehren kann man, auf einen einfachen Nenner gebracht, als Anleger aus der mittlerweile selbst in einem historischen Kontext von seiner Intensität her überdurchschnittlich intensiven, wenngleich nicht unbedingt zeitmäßig langen Baisse an den Aktienmärkten ziehen?

Von Lehrbüchern...

In der Literatur wir die Börse häufig als herausragendes Beispiel für die reale Existenz eines vollkommenen Marktes genannt. Hier gibt es gleichzeitig sehr viele Käufer und Verkäufer, ausgestattet mit demselben Grad an Information, und die ihre Handlungsweise von ihren rationalen Erwartungen hinsichtlich der mit den einzelnen Veranlagungsmöglichkeiten verbundenen Renditen und Risiken ableiten. All dies ist natürlich blanke und zum Teil naive Theorie, und so treten in der Realität große Unterschiede zwischen den Marktteilnehmern auf. Und selbst der Preismechanismus funktioniert am Aktienmarkt umgekehrt, nachdem es einerseits heißt „la hausse amène la hausse“, während zum andere und wohl aktuell etwas passender die Spekulanten aus fallenden Kursen auf noch weiter fallende Kurse schließen. Und genau dieses in den letzten Monaten noch dazu verstärkt auftretende willenlose Herdenverhalten provoziert die Frage nach der Meinungsindividualität der Marktteilnehmer, und damit auch den oder zumindest einzelnen Lehren aus der jüngst Börsenmisere.

... und Lehren

Zum einen wurde vielen Anlegern, und dies in vielen Fällen zum ersten Male, schmerzhaft vor Augen geführt, daß Investieren in risikobehafteten Dividendenpapieren eine Gratwanderung zwischen Ertrag und Risiko ist, und nicht eine vermeintliche Einbahnstraße, wo die Aktienbäume in den Himmel wachsen. Als Anleger sollte man stets darauf achten, daß man für das eingegangene Risiko angemessen entschädigt wird. Diese Komponente wurde am Höhepunkt der Hausseblase per Jahreswende 1999/2000 komplett negiert. Heute ist die sogenannte Risikoprämie sehr hoch, weil viele wenn nicht sogar die meisten Investoren nichts mehr von Aktien wissen und ihr Geld möglichst risikofrei parken wollen. Dies ist jetzt wieder der Fall, wo die Flucht in die Sicherheit nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Zinsen der Staatsanleihen kräftig nach unten gedrückt hat.

Langfristig wird Risikonahme überdurchschnittlich entschädigt

Eine weitere Lehre besteht darin, daß das Risiko einem risikoorientierten Kapitalanleger nicht nur kurzfristig, sondern auch bei einem Zeithorizont von über drei, ja sogar mehr als fünf Jahren einen Strich durch die Rechnung respektive die kühnen Hoffnungen machen kann. Allerdings ist damit nicht widerlegt, daß langfristig die Risikonahme überdurchschnittlich entschädigt wird. Die dazu berechtigte Gegenfrage vieler frustrierter Aktien(fonds)anleger dahingehend, wann gewissermaßen „langfristig“ beginnt, führt zu dem Problem mit dem Market timing. Denn gerade in schwierigen Marktphasen wie diesen, die selbst wirkliche Börsenprofis, die bekanntlich zumeist aber öffentlich gar nicht auftreten, vor Rätsel stellen, vermag niemand zu beurteilen, ob die Risikoprämie noch gar weiter ansteigt, sprich die Kurse noch mehr fallen, oder zumindest für längere Zeit auf hohem Niveau verharrt. Man weiss nur, daß die Prämie und damit ansatzweise für gewisse Aktien und auch Aktienmärkte die Bewertung, trotz und wider aller Vertrauenskrisen rund um die Bilanzierungsfantasie mancher Unternehmen, heute doch um einiges attraktiver ausfällt als noch vor zweieinhalb Jahren.

An realen Erträgen messen

Darüber hinaus sollten und müssen sich Investoren wieder an realen und nicht an nominellen Erträgen, und zwar nach Steuerabzug, orientieren. Die realen Gesamtrenditen werden mit Sicherheit tiefer sein als das, was die Investoren in den Achtziger- und Neunzigerjahren gewohnt waren, weil die Zinsen nicht mehr in derselben Form sinken und die Bewertung der Finanzanlagen zusätzlich erhöhen werden. Die Gesamtrenditen der Aktien – also Kursgewinne plus Dividendenrenditen – werden und müssen sich im Rahmen der Dividendenzahlungen und des Gewinnwachstums bewegen, daß bedeutet, sie müssen so wie früher, also gar nicht allzu langer Zeit, im Gegensatz zu der kurzfristigen Hype innerhalb der 90er Jahre somit künftig wirklich verdient werden.

....zu Johann K.

Hans Krankl, seines Zeichens Teamchef der ziemlich unbedeutenden und erfolglosen österreichischen Nationalmannschaft, lehrt und predigt seinen Jüngern stets und eindringlich: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ oder um in der und seiner Sprache zu bleiben: „Aufgegeben wird nur ein Brief“. Und anders, nämlich börsianerischer gesagt: Anleger sollten den Mut nicht völlig verlieren!

Nachlese

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--> Wie sicher sind Versicherungsaktien?
--> Droht ein neuer Ölpreisschock?
--> Schieß’ nicht auf den Analysten!
--> Shares kann go down!
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--> Über weinpredigende Contrarians und wasserkochende Institutionelle
--> US-Zinsen, bitte steigen!
--> Buy high, sell low......!
--> Wieviel sind 3.500 Milliarden Dollar?
--> Quo Vadis Börse?
--> Wieder Ordnung an der Fußballbörse
--> Auf Resignation naht die Wende
--> Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes
--> Hört die Deflations-Signale

Michael Margules lebt als freier Journalist in Wien. Sein Gastkommentar "Börsenblick" erscheint wöchentlich - jeden Montag - auf derStandard.at. Anlageempfehlungen stellen die persönliche Meinung des Autors dar.
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