Haider kandidiert doch nicht

30. September 2002, 11:33
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FP-Machtkampf vorerst beendet: Nationalratswahlliste ohne Landeshauptmann

Launsdorf - Landeshauptmann Jörg Haider verzichtet nun doch auf eine Kandidatur bei der Nationalratswahl, obwohl sich die Kärntner FPÖ einstimmig für sein Antreten ausgesprochen hatte. Auf der Landesliste der FPÖ wird Sozialminister Herbert Haupt als Spitzenkandidat fungieren. Üblicherweise hatte Haider - wie auch andere FP-Landesobmänner - auf dem letzten Listenplatz seines Landes kandidiert.

Bei der sechsstündigen Sitzung des Landesparteivorstandes Sonntagnachmittag soll Empörung der Kärntner Funktionäre über die Rücktrittsdrohung des neuen Bundesparteiobmannes Mathias Reichhold geherrscht haben. Dadurch hatte sich eine neuerliche Zerreißprobe der Freiheitlichen angebahnt.

Nach der Sitzung traten der Kärntner FP-Obmann Martin Strutz sowie Reichhold vor die Journalisten, um den Verzicht Haiders bekannt zu geben. Reichhold erklärte, er hätte auch eine Kandidatur Haiders akzeptiert, da es der Wille der Kärntner FPÖ gewesen wäre. Zu Haiders Verzicht sagte er: "Ich halte es für großartig, was der Jörg da gemacht hat."

Haider selbst war vom Kärntner Käsefest in Kötschach-Mauthen kommend verspätet in die Sitzung gekommen und hatte sie nach weniger als einer Stunde wieder verlassen. "Ich will ja nicht kandidieren, aber die Partei will es, die sollen sich das da drin ausstreiten." Strutz hingegen erklärte nach der Sitzung, Haider selbst habe sich entschlossen, nicht anzutreten. Die Partei habe das akzeptiert.

Der neue Kärntner Spitzenkandidat Herbert Haupt sagte, "ich werde mich bemühen, die Rosinen aus dem Feuer zu holen", und er hoffe auf die Unterstützung Haiders im Wahlkampf. Die Landesliste der FP-Kandidaten wird bei der Fortsetzung der Vor- standssitzung am Montag festgelegt werden.

Eines war aber bereits sicher. Der Landesgeschäftsführer der FPÖ Kärnten, Kurt Scheuch, wird nicht auf der Liste sein. "Scheuch hat uns erklärt, dass er seine Aufgabe in Kärnten sieht", meinte Strutz. Scheuch hatte bei der Delegiertenkonferenz in Knittelfeld den Tags zuvor von Jörg Haider und Susanne Riess-Passer ausgehandelten Kompromiss demonstrativ zerrissen.

Allerdings: Auch wenn Haider auf keiner der Nationalratslisten aufscheinen sollte - letzter Abgabetermin: 21 Tage vor der Wahl - gibt es immer noch ein Hintertürchen: Wenn nämlich ein Mandatar sein Mandat zurücklegt und alle zum "Nachrücken" vorgesehenen Kandidaten seiner Liste auf ihr Mandat verzichten, kann die Partei auch während der Legislaturperiode neue Personen nominieren. (stein, cs/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2002)

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    "Wir wollen niemals auseinandergehn, wir wollen immer zueinander stehn. Mag auf der großen Welt auch noch so viel geschehn, wir wollen niemals auseinandergehn. Unsre Welt bleibt so schön, wir wollen niemals auseinandergehn. Sieht man die Menschen sich sehnen und sieht ihren Schmerz, ihr Tränen, dann fragt man sich immer nur: Muß das so sein? Immer nur scheiden und weinen und immer nur warten und leiden, und hier so wie dort ist jeder allein. Schenkt euch immer nur Liebe, schenkt euch immer Vertrauen, nichts ist so schön wie die Worte, die ewigen Worte: 'Mein Herz ist nur dein!'"

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