Neue Rätsel um Schächte in Cheops-Pyramide

2. Oktober 2002, 20:23
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Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo: Schächte wurden nicht nachträglich gebaut

Kairo - Die verschiedenen Hohlräume und Türen, die Archäologen in den vergangenen zwei Wochen mit Hilfe eines Roboters in der Cheops-Pyramide entdeckt haben, liefern neue Nahrung für Theorien und wissenschaftlichen Disput. So hält es der Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Kairo, Günter Dreyer, für ausgeschlossen, dass die von dem Roboter untersuchten Schächte der so genannten Königinnenkammer von den Bauherren der Pyramide nachträglich eingefügt wurden. Diese Theorie hatte die ägyptische Altertümerverwaltung vergangene Woche verbreitet, nachdem die Roboterkamera Bilder aus dem bisher noch weitgehend unerforschten Nordschacht geliefert hatte.

Die drei Winkel und Kurven im Nordschacht, der genau wie der Südschacht nach 64 Metern von einem Steinblock mit zwei Kupfergriffen verschlossen wird, belegen nach Ansicht des ägyptischen Chefarchäologen Zahi Hawwas, dass die Bauherren die große Galerie umgehen wollten, die zur höher gelegenen Grabkammer führt. Dreyer glaubt dagegen - bei allem Respekt vor den genialen Bauherren der größten der Pyramiden von Gizeh - nicht, dass man zu Zeiten des Pharao Cheops (ca. 2620-2580 v. Chr.) technisch schon so weit gewesen sein könnte, zwei mindestens 64 Meter lange aufsteigende Schächte in den Stein zu treiben, die nur einen Durchmesser von 20 mal 20 Zentimeter haben. "Selbst mit heutiger Technik wäre das äußerst schwierig", gibt er zu bedenken. "Ich bin sicher, dass die Schächte schon beim Bau eingeplant worden sind."

"Keine Griffe"

Auch glaubt Dreyer, dass die zwei Kupfergriffe, die jeweils auf den beiden Verschluss-Steinen im Nord- und Südschacht angebracht sind, keine Griffe darstellen, wie dies von einigen Archäologen behauptet wird, sondern dass daran einst symbolische Werkzeuge befestigt waren. So sei in einem der Schächte ein Kupferstück gefunden worden, das zu einem "Mundöffner" gehöre, sagt er. Dieser diente in den Vorstellungen der alten Ägypter dazu, dem toten König - das heißt seiner Mumie oder einer ihn darstellenden Statue - nach dem Tod den Mund zu öffnen, damit er wieder "atmen" und ins Jenseits aufsteigen kann. Hawwas meint dagegen, dass die beiden Kupferstifte möglicherweise Schlangen darstellen sollten, die diese vom König auf seinem Weg zum Himmel zu öffnenden Türen "bewachen" sollten.

Einig ist sich Dreyer mit seinem ägyptischen Kollegen dagegen in der Frage der Bedeutung der beiden Schächte, die von der so genannten Königinnenkammer aufsteigen. "Hawwas hat eindeutig Recht, wenn er sagt, dass jeder neue Hohlraum und jeder Steinquader, der in der Cheops-Pyramide entdeckt wird, für die Wissenschaft hoch interessant ist", meint Dreyer. Deutsche Archäologen, die nach der weltweiten Live-Übertragung der Roboter-Untersuchung in der Nacht zum 17. September von einem "hochgepushten Medienflop" und einer "Luftnummer" gesprochen hatte, seien mit ihrer Kritik zu weit gegangen, findet er. Schließlich sei die Untersuchung mit dem teuren Roboter durch die Einnahmen aus der TV-Übertragung erst möglich geworden. (APA/dpa)

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