Wiesn: Schlechte Zwischenbilanz

29. September 2002, 14:43
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Bei Dauerregen gab es bis zur Halbzeit weniger Besucher

München - Wintereinbruch und Dauerregen haben in der ersten Wiesn-Woche für volle Bierzelte und leere Fahrgeschäfte gesorgt. 2,6 Millionen Menschen drängten sich bis zur Halbzeit auf dem größten Volksfest der Welt, rund 200.000 weniger als im Jahr zuvor, wie Festleiterin Gabriele Weishäupl am Sonntag in München bilanzierte. Die Besucher tranken bisher zwei Millionen Maß Bier - ein Sechstel mehr als 2001. Zudem wurden 1.100 Liter Glühwein ausgeschenkt. Die Schausteller verbuchten dagegen rund 25 Prozent weniger Umsatz.

Zwei sonnige Wochenenden mit "erstklassigem Volksfestwetter" hätten die Wiesn-Zwischenbilanz gerettet, sagte Weishäupl. Zum Auftaktwochenende strömten mehr als 900.000 Menschen auf das 31 Hektar große Festgelände mit 644 Betrieben. Während der Woche hätten Regen, Schnee und Kälte vielen den Bummel verleidet. Für das zweite Wiesn-Wochenende rechnete die Festleiterin mit einer Million Besuchern.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Wie Weishäupl weiter sagte, achten die Wiesn-Gäste dieses Jahr besonders auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. "Besonders gefragt waren bisher preiswerte Schmankerl wie Würstl und fleischlose Spezialitäten wie Kasspatzen." Das Wiesn-Hendl habe in diesem Jahr wieder zum Höhenflug angesetzt: Von dem Oktoberfest-Klassiker wurden in den ersten acht Tagen rund 20 Prozent mehr gegessen als 2001.

Die Zahl der verspeisten Ochsen kletterte laut Zwischenbilanz auf 45; im Vorjahr wurden in der ersten Woche nur 36 Ochsen verzehrt. "Verlierer beim schlechten Wetter war der Straßenverkauf", sagte Weishäupl. "Die Biergärten blieben leer." Eine Maß Festbier kostet zwischen 6,30 und 6,80 Euro.

Für Fahrgeschäfte hätten sich an den Regentagen nur einige Jugendliche erwärmen können. Besonders die Kinderfahrgeschäfte hätten gelitten, sagte Weishäupl. In diesem Jahr hätten aber wieder viele Familien das Oktoberfest besucht. 2001 waren die Besucherzahlen aus Angst vor neuen Terroranschlägen nach dem 11. September drastisch eingeknickt.

"Viele Italiener, wenige Amerikaner"

Unter den Gästen waren der Wiesn-Chefin zufolge besonders viele Italiener. Eher verhalten sei der Andrang von Besuchern aus den USA, Neuseeland und Australien gewesen. Die Touristen hätten das Souvenirgeschäft gerettet, sagte Weishäupl. Der Renner unter den Mitbringseln sei wieder der graue Seppl-Hut aus Filz. Beliebt als Souvenir sind zudem Wiesn-Maßkrüge: Rund 66.000 gestohlene Krüge wurden laut Weishäupl bisher wieder eingesammelt.

Wiedergefunden wurde auch ein Geldbeutel mit 1.900 Euro, wie die Wiesn-Chefin sagte. Die Zahl der Fundsachen schnellte laut Vergleich zu 2001 von 895 auf 1.300 hoch. Am häufigsten wurden Kleidungsstücke oder Geldbörsen verloren, aber auch ein Diabetiker-Set und ein Gebiss.

Ein neuer Wiesn-Hit konnte sich bisher nicht durchsetzen. Der Titel "Asereje" des spanischen Schwester-Trios "Ketchup" habe sich als zu schwierig erwiesen, sagte Weishäupl. Die Gäste bevorzugten in den Bierzelten einfache Texte wie "Hey Baby" oder "Hände zum Himmel". (APA/AP)

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