20-jähriger Bus-Entführer löste in Deutschland Großeinsatz aus

29. September 2002, 13:50
posten

Busfahrer und drei Geiseln sind unverletzt geblieben

Hamburg - Ein bewaffneter 20-Jähriger hat in der Nacht zum Sonntag mit der Entführung eines Hamburger Linienbusses und einer skurrilen Irrfahrt einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Der betrunkene Mann hatte kurz nach Mitternacht den im Stadtteil Wilhelmsburg im Süden Hamburgs verkehrenden Bus in seine Gewalt gebracht, berichtete ein Polizeisprecher. Nach stundenlanger Irrfahrt beendete die Polizei am Morgen gegen 8.00 Uhr die Geiselnahme auf der Autobahn A 24 Hamburg-Berlin in der Nähe des brandenburgischen Wittstocks mit einer Straßensperre.

Der mit einem Messer und einer Gaspistole bewaffnete 20-Jährige aus Hamburg habe an der Straßensperre aufgegeben, Gewalt sei nicht notwendig gewesen, sagte der Sprecher. Bei dem Entführer wurde ein Blutalkoholwert von etwa ein Promille festgestellt. Alle Betroffenen - neben dem Täter und dem 52-jährigen Busfahrer noch drei Mädchen aus Hamburg im Alter von 15, 16 und 17 Jahren - blieben unverletzt.

Tankstopp

Nach ersten Erkenntnissen hatte der Mann den Fahrer bedroht, als kein anderer Fahrgast mehr im Bus war. Später stiegen die drei Mädchen zu. Auch einen Tankstopp legte das Fahrzeug offenbar ein. In ersten Berichten hatte es geheißen, der Täter sei 16 Jahre alt. Bei den Ermittlungen stellte sich jedoch heraus, dass er 20 Jahre alt ist.

Polizei und Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hatten die Entführung offenbar nicht sofort bemerkt. "Ein Fahrgast hatte sich gegen 0.35 Uhr beschwert, dass der Bus nicht kam", sagte ein HVV-Sprecher. Daraufhin fuhren HVV-Kräfte die Strecken ab, auf denen der Bus eigentlich verkehren sollte - vergeblich. Erst kurz vor 3.00 Uhr wurde die Polizei alarmiert. Auch die Mutter des Kidnappers hatte die Polizei angerufen und von der Entführung berichtet. Er hatte demnach seiner Freundin angekündigt, er wolle den Bus ins nahe gelegene Geesthacht (Schleswig-Holstein) entführen.

Großeinsatz

Erst um 4.48 Uhr entdeckte dann ein Streifenwagen den Bus. Polizei-Spezialkräfte aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Hamburg waren im Einsatz. Die Autobahn A 24 und sämtliche Auffahrten wurden zeitweise gesperrt, der Bus verfolgt.

Zu den Motiven des Mannes konnte die Polizei zunächst keine Angaben machen. Für die Beamten ist er aber kein Unbekannter. Gegen ihn soll schon mehrfach ermittelt worden sein, unter anderem wegen Körperverletzung. Nach unbestätigten Berichten hatte er auch schon ein Taxi in Geesthacht entführt und war dafür verurteilt worden. (APA/dpa)

Share if you care.