Geringes Interesse an Präsidentschaftswahl

30. September 2002, 09:25
2 Postings

Wahlbeteiligung über 50 Prozent, aber unter den Erwartungen

Belgrad - In Serbien sind um 20.00 Uhr die Präsidentschaftswahlen ohne größere Probleme abgeschlossen worden. Die Wahlbeteiligung dürfte unter den Prognosen der Meinungsforscher liegen, die zwischen 60 und 65 Prozent erwartet hatten. Nach Angaben des Belgrader Zentrums für freie Wahlen und Demokratie (CeSID) belief sich die Wahlbeteiligung bis 19.00 Uhr bei 52,2 Prozent. Damit ist die Wahl, bei der sich gemäß Wahlgesetz über die Hälfte der Wahlberechtigten beteiligen müssen, rechtsgültig. Die ersten Hochrechnungen werden gegen 22.00 Uhr erwartet.

Die Republik-Wahlkommission konnte bis jetzt noch keine konkreten Angaben über die Wahlbeteiligung machen. Größere Ungereimtheiten oder Probleme habe es während der Wahl aber nicht gegeben, gab die Wahlkommission bekannt. Alle 8.634 Wahllokale, darunter 288 im Kosovo, waren am Morgen eröffnet worden.

CeSID-Beobachter haben hingegen darauf hingewiesen, dass im Kosovo, wo etwa 100.000 wahlberechtigte Serben leben, etliche Wähler nicht ihre Stimme abgeben konnten, da ihre Namen nicht in den vorliegenden Wählerverzeichnissen registriert waren. Laut dem Belgrader Sender "B-92" dürften sogar 50 Prozent der Wahlberechtigten in der südserbischen Provinz dadurch am Urnengang gehindert worden sein.

In den drei südserbischen Kommunen Presevo, Bujanovac und Medvedja mit überwiegend albanischer Bevölkerung gab es ein äußerst geringes Interesse für die Präsidentschaftswahl. Zwei von drei lokalen albanischen Parteien hatten zum Wahlboykott aufgerufen. In Bujanovac und Presevo haben allerdings die Spitzenfunktionäre der Partei für Demokratische Aktivität, der größten Albaner-Partei in der Region, ihre Stimme abgegeben.

CeSID und die Meinungsforschungsagentur "Strategic Marketing" haben ihre ersten Hochrechnungen für zwei Stunden nach dem Schließen der Wahllokale angekündigt. Erhält kein Kandidat mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen, was allem Anschein nach am Sonntag der Fall sein wird, findet zwei Wochen später die Stichwahl statt. Als große Favoriten unter den elf Kandidaten gelten der jugoslawische Staatspräsident Vojislav Kostunica und der Vizepremier und Wirtschaftsexperte Miroljub Labus. (APA)

Share if you care.