Diskussion um Goldhagen-Buch geht weiter

1. Oktober 2002, 19:30
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Deutscher Politologe Löw: "Die katholische Kirche und der Holocaust" sei "wissenschaftlich fragwürdig, weil vollkommen einseitig"

München - Das neue Buch des US-Politologen Daniel Jonah Goldhagen ist erneut auf Kritik gestoßen. In dem Werk "Die katholische Kirche und der Holocaust", das am Donnerstag erschien, klagt Goldhagen den Klerus an, den Massenmord der Nazis an den Juden unterstützt zu haben. Der deutsche Politologe Konrad Löw, der sich ebenfalls mit der Thematik befasst hat, nannte das Buch im Nachrichtenmagazin "Focus" "wissenschaftlich fragwürdig, weil vollkommen einseitig".

Außerdem soll Goldhagen nach "Focus"-Informationen bei einer Bildunterschrift ein Fehler unterlaufen sein. Auf Seite 237 des Buches soll laut Unterzeile Kardinal Michael Faulhaber bei einer NS-Kundgebung zu sehen sein, was von der katholischen Kirche jedoch bestritten wird. Goldhagens Verlag kündigte an, die Unterzeile zu korrigieren, wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten.

Bereits am Dienstag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, Goldhagens Vorwürfe im "Spiegel" zurückgewiesen. Bis zu 80 Prozent der im deutschen Machtbereich überlebenden 900.000 Juden seien von kirchlichen Einrichtungen gerettet worden. (APA/AP)

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