Kaschmir: Wieder Anschlag auf Politikerin

28. September 2002, 14:12
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Kandidatin der Kongresspartei schwer verletzt - Unruhen in Srinagar nach Tod von Moslem

Srinagar - Ein weiterer Anschlag auf eine Politikerin überschattet die Wahl in der zu Indien gehörenden umstrittenen Kaschmir-Region: Mutmaßliche Extremisten verübten am Samstag einen Bombenanschlag auf den Konvoi von Khaleda Mustafa, einer Kandidatin der oppositionellen Kongress-Partei. Drei ihrer Anhänger und ein Polizist wurden getötet. Mustafa wurde schwer verletzt, wie aus Polizeikreisen verlautete.

Der Sprengsatz wurde offenbar ferngezündet. Der Anschlag ereignete sich im Bezirk Anantnag, rund 70 Kilometer südlich von Srinagar. Anantnag ist einer der Bezirke, in denen am 1. Oktober gewählt wird. In der vergangenen Woche hatte Tourismusministerin Sakina Yatoo in Kaschmir zwei Anschläge binnen weniger Tage überlebt. Die Extremisten haben zum Boykott der Wahl aufgerufen, weil sie eine Wahlfälschung zu Gunsten der indischen Parteien vermuten. Sie drohten Wählern und Kandidaten mit dem Tod.

Unruhen in Srinagar

Der Tod eines jungen Moslems löste unterdessen in Srinagar Unruhen aus. Fast 1.000 Menschen blockierten Straßen, warfen Steine und riefen antiindische Parolen, nachdem der 19-jährige Muzzamil Ahmad von einem indischen Patrouillenfahrzeug angefahren und tödlich verletzt worden war. Ein Polizeisprecher erklärte, die Sicherheitsbeamten hätten in die Luft geschossen, um die Versammlung aufzulösen. Verletzte habe es nicht gegeben.

Bei Gefechten in der Region wurden nach offiziellen Angaben mindestens acht mutmaßliche Rebellen und ein Soldat getötet. Sicherheitskräfte lieferten sich ein Feuergefecht mit Separatisten in der Ortschaft Sonarkalipora, rund 25 Kilometer südwestlich von Srinagar. Zwei Kämpfer und ein Soldat kamen ums Leben. Drei Rebellen wurden bei nächtlichen Kämpfen im indisch-pakistanischen Grenzgebiet getötet, weitere zwei kamen bei Gefechte im Kaschmir-Tal ums Leben.

Die dritte Runde der Parlamentswahl in Kaschmir findet am 1. Oktober in den Bezirken Pulwama und Anantnag statt, in denen zahlreiche islamische Extremisten leben. Außerdem wird in den von Hindus dominierten Regionen Kathua und Udhampur gewählt. Mit einer letzten Abstimmungsrunde soll die Wahl am 8. Oktober zu Ende gehen.

Um das zwischen Indien und Pakistan geteilte Kaschmir haben beide Länder seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 bereits zwei Kriege geführt. Mehrere moslemische Extremistengruppen kämpfen für die Unabhängigkeit der Region oder ihren Anschluss an Pakistan. Seit Ausbruch der Unruhen vor zwölf Jahren sind schätzungsweise 33.000 Menschen ums Leben gekommen. Der indische Unionsstaat Jammu und Kaschmir ist der einzige dieses Landes, in dem Moslems und nicht Hindus in der Mehrheit sind. (APA/AP)

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