USA kannten wochenlang Aufenthaltsort von Binalshibh

28. September 2002, 10:58
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BKA-Beamte sichten Beweismaterial von mutmaßlichem Terroristen

München - Der US-Geheimdienst hat offenbar knapp sechs Wochen vor der Festnahme des mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieds Ramzi Binalshibh dessen Aufenthaltsort gekannt. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" wussten die Ermittler seit Ende Juli, dass Binalshibh sich in der pakistanischen Hafenstadt Karachi aufhielt, wie das Magazin in seiner neuesten Ausgabe unter Berufung auf Berliner Sicherheitskreise berichtet. Durch die großflächige elektronische Überwachung verdächtiger Telefonanschlüsse sei es den Fahndern gelungen, Binalshibhs Versteck schließlich in einem Umkreis von einem Kilometer zu bestimmen.

Laut "Focus" sichteten vier Spezialisten des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) in den vergangenen Wochen bei der US-Bundespolizei FBI in Washington mehr als 100 Disketten und Festplatten, die bei Binalshibhs Festnahme beschlagnahmt worden seien. Die deutschen Ermittler suchten dem Magazin zufolge Hinweise auf mögliche "Terrornetzwerke" in Deutschland. Es sei noch unklar, ob der mit deutschem Haftbefehl gesuchte Binalshibh in Deutschland verhört werden dürfe, da der US-Geheimdienst CIA Vorbehalte geäußert habe.

Binalshibh lebte zeitweise mit einem der Todespiloten des 11. September 2001, Mohammed Atta, in Hamburg zusammen. Er gilt als einer der Drahtzieher der Terroranschläge. Am Jahrestag der Anschläge wurde er aufgrund von Hinweisen der US-Ermittler von pakistanischen Sicherheitskräften in Karachi gefasst. Er befindet sich in US-Gewahrsam. (APA)

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