Friedens-Forscher: US-Politik größere Friedensgefahr als Irak

28. September 2002, 10:42
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Lutz befürchtet neues Wettrüsten

Hamburg - Die US-Regierungspolitik stellt nach Auffassung des Hamburger Friedensforschers Prof. Dieter Lutz eine größere Gefahr für den Frieden dar als die Politik des Irak. "Das Bedrohungspotenzial Bagdads ist gering. Daher ist die Gefahr eines von Washington geplanten martialischen Militärschlags größer als das, was die Iraker anrichten können", sagte der Leiter des Friedensforschungsinstituts an der Universität Hamburg in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Lutz fürchtet, dass es zu einem neuen "Rüstungswettlauf" zwischen den großen Nationen kommt, um wieder vermehrt "das Recht des Stärkeren" durchzusetzen. China habe im vergangenen Jahr bereits massiv seine Militärausgaben erhöht. Im Irak herrsche ein "furchtbares Regime", das nach Massenvernichtungswaffen strebe. Doch sei der Weg der US-Regierung "falsch", notfalls ohne Legitimation der UNO einen Militärschlag zu führen.

Zur Durchsetzung der UNO-Sanktionen müsse eine "Drohkulisse" aufgebaut werden, sagte Lutz. Der freie Zugang der UNO-Inspektoren zu allen mutmaßlichen Waffenfabriken im Irak müsse in letzter Konsequenz auch mit militärischen Mitteln durchgesetzt werden. Dabei käme etwa die gezielte Zerstörung von Gebäuden aus der Luft in Frage, in die Kontrolleure nicht gelassen würden. Auch eine Begleitung der Teams durch UNO-Soldaten sei denkbar.

Die ablehnende Haltung der deutschen Bundesregierung gegenüber der US-Politik und ihr undiplomatisches Vorgehen im Wahlkampf bezeichnete Lutz als unklug. Es sei aber die US-Regierung gewesen, die zuerst einen "riesigen Knüppel" geworfen habe. "Nicht die Deutschen haben das Feuer entfacht, sondern die Amerikaner haben ohne Konsultationen mit den Verbündeten ihr Anliegen vorgebracht, das die Frage von Krieg und Frieden, von Leben und Tod betrifft", unterstrich Lutz. (APA/dpa)

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