Demonstrationen und zwei Tote am zweiten Jahrestag der Intifada

28. September 2002, 13:13
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10.000 Menschen bei Protestmärschen - Arafat will weiter für eigenen Staat kämpfen

Jerusalem/Gaza - Am zweiten Jahrestag der Intifada haben tausende Palästinenser in den Autonomiegebieten gegen die israelische Besetzung demonstriert. Mehr als 10.000 Menschen versammelten sich zu Protestmärschen im Gazastreifen, während im Westjordanland bereits am Vorabend Kundgebungen in Ramallah, Nablus und Bethlehem stattfanden. Israelische Soldaten erschossen im Gazastreifen zwei Palästinenser.

Der palästinensische Präsident Yasser Arafat erklärte, sein Volk werde den Kampf für einen eigenen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt fortsetzen. "Jerusalem wird die Hauptstadt des palästinensischen Staates bleiben, ob es jemandem gefällt oder nicht", sagte Arafat telefonisch aus seinem belagerten Hauptquartier in Ramallah. Seine Worte wurden über Lautsprecher für die Demonstranten in Gaza übertragen. Israelische Truppen haben seinen Amtssitz fast völlig zerstört, nachdem bei einem Selbstmordattentat am 19. September fünf Israelis getötet worden waren. Arafats Hauptquartier ist seitdem von israelischen Soldaten umstellt.

Tränengas und Gummigeschosse

Seit Beginn des palästinensischen Aufstands am 28. September 2000 wurden mehr als 1.800 Palästinenser und 620 Israelis getötet. In Ramallah gingen israelische Soldaten am Freitagabend mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Jugendliche vor, die mit Steinen warfen. In Nablus und dem nahe gelegenen Flüchtlingslager Balata verstießen rund 200 Menschen gegen das von Israel verhängte Ausgehverbot und zogen mit palästinensischen Fahnen durch die Stadt. In Bethlehem war das Ausgehverbot kurz zuvor aufgehoben worden, auch hier kam es zu Demonstrationen.

In einer Erklärung aus israelischer Haft kündigte der palästinensische Politiker Marwan Barghuti an, dass der Widerstand gegen die israelische Besetzung fortgesetzt werde. Israel werde erst dann Frieden und Sicherheit genießen, wenn der Siedlungsbau und die Besetzung beendet seien, erklärte Barghuti schriftlich gegenüber Reuters. Das dritte Jahr des Aufstandes werde "entscheidend" sein. Barghuthi war im April von der israelischen Armee festgenommen worden. Er ist Chef von Arafats Fatah-Bewegung im Westjordanland und wurde häufig als möglicher Nachfolger Arafats genannt.

Auslöser der Intifada war ein Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon auf dem Tempelberg in Jerusalem, der von den Palästinensern als Provokation aufgefasst wurde. Die erste Intifada von 1987 bis 1993 endete mit einem Grundlagenvertrag zwischen Israel und den Palästinensern und dem Beginn eines Friedensprozesses, der inzwischen weitgehend zusammengebrochen ist.

Der israelische Verteidigungsminister Shimon Peres verwies auf eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats, die von den Palästinensern verlange, gegen den Terrorismus vorzugehen. "Es ist sehr schwierig, die Autonomiegebiete zu verlassen, wenn wir nicht wissen, was danach kommt", erklärte er. Er deutete an, seine Kabinettskollegen könnten mit ihrer Konzentration auf Arafat den Einsatz der USA für eine Abrüstung in Irak behindern. "Wir müssen nicht ständig die Aufmerksamkeit auf Arafat lenken", sagte Peres.

Bei Demonstrationen gegen die israelische Besatzung sind am Samstag zwei Palästinenser getötet worden. Nach Augenzeugenberichten erschossen israelische Soldaten bei der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens einen 26-jährigen Palästinenser. In ersten Meldungen hatte es geheißen, der Mann sei beim Einschlag einer Panzergranate in sein Haus getötet worden. Bei einer Demonstration südlich von Gaza wurde ein 19-jähriger Palästinenser erschossen.

Dutzende von Palästinensern hätten bei der Demonstration Reifen in Brand gesteckt und Panzer mit Steinen beworfen, sagten Augenzeugen. Die Soldaten schossen mit scharfer Munition und gingen mit Tränengas und mit Gummi ummantelten Metallpatronen gegen die Menge vor. Nach Klinikangaben starb der 19-Jährige später an einer Schussverletzung am Kopf. Mindestens sechs weitere Steinewerfer wurden verletzt.(APA/AP/dpa/Reuters)

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