Unsicherheiten an den Börsen halten an

28. September 2002, 12:41
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Analysten erwarten weitere Gewinnrevisionen in den USA - Gedämpfte Aussichten für die kommende Woche

Wien - Die Unsicherheiten auf den internationalen Börsen halten an, das fundamentale Umfeld bleibt weiterhin schwierig. Aktienanalysten heimischer Großbanken erwarten zwar keine wesentliche Verbesserung der eingetrübten Stimmung an den Aktienmärkten, es könnte aber durchaus zu kurzfristigen Erholungen kommen. Diese dürften zum großen Teil von neuen Konjunkturdaten abhängen: Für Montag wird in den USA der aktuelle Einkaufsmanager-Index erwartet, zugleich erscheint eine Vorabschätzung der EU-Verbraucherpreise im September. Am Donnerstag folgt der US-Auftragseingang der Industrie im August.

Einen Versuch, das angeschlagene Anlegervertrauen zurückzugewinnen, startete die Deutsche Börse mit ihrer Ankündigung, den maroden Neuen Markt spätestens im kommenden Jahr zu schließen. Das angekündigte Ende des einst wichtigsten europäischen Wachstumsmarktes wurde in der deutschen Börsenlandschaft und auch von betroffenen österreichischen Unternehmen überwiegend positiv aufgenommen. Doch auch der geplante Neubeginn mit zwei Qualitätsklassen unterhalb der großen Dax-Werte ist noch umstritten.

Die US-Aktienmärkte tendierten in der abgelaufenen Börsewoche erneut mit Verlusten. Der Aufschwung in der zweiten Wochenhälfte wurde am Freitag jäh gestoppt. Eine Reihe von negativen Unternehmensnachrichten ließ den Dow Jones nach zwei Tagen mit Kursgewinnen wieder in die Verlustzone zurückkehren.

"Überverkauftes Niveau"

Auf jedes US-Unternehmen, das seine Gewinnprognosen erhöht, kommen drei Unternehmen, die Gewinnwarnungen veröffentlichen, beschreibt die Erste Bank das derzeitige Umfeld am weltweit wichtigsten Aktienmarkt in New York. "Der Markt befindet sich jedoch aktuell auf einem überverkauften Niveau, weshalb wir in der kommenden Woche mit einem Anhalten der Gegenbewegung rechnen", so die Erste-Analysten. Die Raiffeisen Zentralbank rechnet mit weiteren Gewinnrevisionen nach unten.

Tief in Deutschland hält an

Auch der deutsche Aktienmarkt zeigt sich weiter angeschlagen, er DAX verlor im Wochenvergleich über drei Prozent. Laut Experten ist auch nicht zu erwarten, dass sich daran bereits in der kommenden Woche etwas ändern wird. Besonders belastend werten Händler die bereits direkt nach der Bundestagswahl einsetzende Debatte um Steuererhöhungen, was auch auf ausländische Investoren eine abschreckende Wirkung habe. Damit komme zur politischen Abseitsstellung Deutschlands nun ein weiterer Belastungsfaktor, heißt es.

Der Ausgang der deutschen Bundestagswahlen hat die Aktienmärkte der Eurozone nur kurzfristig beeindruckt. Nach einigen positiven Reaktionen am Montagvormittag - aus Erleichterung darüber, dass überhaupt eine mehrheitsfähige Regierungskoalition ohne PDS möglich ist - setzten sich schon bald die Abwärtstrends fort. Negative Unternehmensnachrichten und Konjunkturdaten boten erneut genügend Gesprächsstoff, um das Gespenst einer Deflationsspirale mit weiter fallenden Aktienkursen auszumalen.

Rückwärtsgang in Wien

An der Wiener Börse blieb auch in dieser Woche der Rückwärtsgang eingelegt. Im Wochenverlauf fiel der Leitindex ATX um 0,6 Prozent auf 1.064,93 Punkte. Das hartnäckige internationale Stimmungstief drückte weiter auf die Kurse. Unter den Einzelwerten gab es Verluste fast durch die Bank. Am deutlichsten kamen AUA, BWT und VA Tech unter die Räder. Mangels positiver Nachrichten ging es im ATX bis Mittwoch im Sog der großen Auslandsbörsen bis zur 1.050 Punkte-Marke nach unten, ehe eine technische Gegenbewegung einsetzte und die Kursverluste etwas begrenzen konnte.

Ob der "Rebound" nachhaltig ist, wird sich zeigen. Kurzfristig sehen die Analysten der Erste Bank für den ATX Potenzial bis 1.080 Punkte. Sie weisen gleichzeitig aber darauf hin, dass ein nochmaliges Testen der Linie bei 1.050 nicht auszuschließen sei. Da relevante Unternehmensnachrichten in der kommenden Woche nicht zu erwarten seien, dürften die Vorgaben der internationalen Börsen in den Vordergrund rücken, so die Erste-Analysten in ihrem wöchentlichen Börsenkommentar. (APA)

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