"Es ist schwer, wenn niemand zuhört"

30. September 2002, 13:21
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Überreste von Naziopfern im Schloss Hartheim bei ökumenischer Feier beigesetzt

Linz - Knapp 60 Jahre nach ihrer Ermordung durch die Nationalsozialisten wurden nun die Überreste von Opfern des Schlosses Hartheim beigesetzt. Im kommenden Frühjahr werden in dem Gebäude, in dem rund 30.000 Behinderte und KZ-Häftlinge umgebracht wurden, eine Gedenkstätte, eine Ausstellung zum Thema "Der Wert des Lebens" und eine Galerie mit Arbeiten geistig Behinderter eröffnet.

Im Frühjahr 2001 wurden bei den Restaurierungsarbeiten an dem Schloss in der Nähe von Alkoven (Bezirk Eferding) menschliche Überreste und Habseligkeiten der Opfer gefunden. Im Rahmen einer ökumenischen Feier wurden die Opfer am Freitagnachmittag symbolisch beigesetzt, ein Mahnmal des Pregartner Künstlers Herbert Friedl erinnert an ihr Schicksal.

Bericht eines Sohnes

Plastisch wurde dieses Schicksal bei der Feier durch die Rede von Ignaz Zsivkovits, eines burgenländischen Kroaten, dessen Vater in Hartheim ermordet worden ist. "Er war in einer Pflegeanstalt in Graz untergebracht, im März 1941 kam dann ein Brief, dass er in Hartheim gestorben sei", schilderte der Nachkomme. Erst in den 70er-Jahren bekam er Hilfe bei der Suche nach der Wahrheit: "Ich hätte gerne nach dem Krieg über meinen Vater gesprochen, aber es ist sehr schwer zu sprechen, wenn niemand zuhört", berichtete der Mann mit tränenerstickter Stimme.

Innenminister Ernst Strasser (VP), der sich zwei mit Unruhe quittierte Jahreszahl-Verwechslungen in seiner Rede leistete, erinnerte daran, dass auch heute Grundpfeiler einer pluralistischen Gesellschaft wie Menschenrechte und der demokratische Umgang miteinander "nicht selbstverständlich sind, sie müssen ständig von Neuem erlebt und verteidigt werden".

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) hob hervor, dass die Gedenkstätte Hartheim ein Mahnmal gegen "die Haltung der Intoleranz, der Herrenmenschen und des Ungeistes" sein müsse. (moe/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 9. 2002)

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    Von links nach rechts: Bischof Maximilian Aichern (Roem.-kath.Kirche), Ezbischof Dr. Mesrob Krikorian (Armenisch-apostol.Kirche), Metropolit Michael Staikos (Griechisch-orth. Kirche) und Superintendent Hansjoerg Eichmeyer (Evangelische Kirche in OÖ)

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