Großes Zentrum für die kleinsten Teilchen

27. September 2002, 19:39
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Innsbruck erhält Institut für Quantenoptik und Quanteninformation

Innsbruck - Die Österreichische Akademie der Wissenschaften gründet in Innsbruck mit Unterstützung von Land und Stadt ein Institut für Quantenoptik und Quanteninformation. Damit erhalten Österreichs renommierte Quantenphysiker ein Zentrum, das die Grundlagenarbeit längerfristig sichern sowie in Kooperation mit Unternehmen Produktvermarktungen ermöglichen soll.

"Wir können nun langfristige Projekte für die Dauer von fünf bis zehn Jahren finanzieren und bekommen in Innsbruck, als eines von drei Quantenoptikzentren in Europa, erhöhte internationale Sichtbarkeit", freut sich der Experimentalphysiker Rainer Blatt, der mit seinen Kollegen Peter Zoller und Rudolf Grimm das Institut neben deren Tätigkeit an der Uni abwechselnd leiten und eng mit dem in Wien forschenden Quantenphysiker Anton Zeilinger kooperieren wird.

Quantencomputer

Gemeinsam mit dem Forschungsinstitut, an dem 40 Mitarbeiter beschäftigt sein sollen, wird Mitte 2004 in demselben Gebäude im ICT-Technologiepark auch ein Anwenderzentrum seine Tore öffnen. "Vielleicht münden unsere Projekt in absehbarer Zeit in Patente", hofft Blatt und wünscht sich, bereits in fünf Jahren "ein erstes Modell eines kleinen Quantencomputers" präsentieren zu können.

Derzeit arbeiten die Innsbrucker etwa an der Entwicklung von Verschlüsselungssystemen auf Basis von Lichtteilchen (Photonen) für das Versenden von Botschaften. Laut Blatt soll ein Uni-Lehrstuhl für Photonik errichtet werden.

Drei Millionen der geschätzten Errichtungskosten von gut 15 Millionen Euro werden vom Land Tirol und der Stadt Innsbruck im Verhältnis drei zu eins aufgebracht. Der Rest soll durch Unterstützung des Rates für Forschung und Entwicklung und durch Unternehmen finanziert werden.

Die Wahl des Standortes begründet Akademie-Präsident Werner Welzig mit dem "hervorragenden Ruf der Innsbrucker Forscher" und zudem bildungspolitisch: "Es kann nicht alles in der Bundeshauptstadt konzentriert sein. Wir sind eine österreichische, keine Wiener Akademie", sagt er dem STANDARD. Laut Welzig soll demnächst in Innsbruck als drittes Akademie-Institut neben dem für Altersforschung auch ein Zentrum zur Zellforschung entstehen (für Funktionelle Genomik und Proteomik der Apoptose). (bs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29. 9. 2002)

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