"Ein sozial interessantes Vorhaben"

3. Oktober 2002, 18:55
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Komplexe Projekte ziehen ihn magisch an, erklärt Peter Newole (43), seit zwei Tagen Chef der österreichischen Maut-Betreibergesellschaft Europpass, einer 100-Prozent-Tochter der italienischen Autostrade-Gruppe.

Er liebt Konzepte und Analysen über alles. Dann gerät er so richtig ins Tüfteln und plant, koordiniert und arrangiert. "Ich springe nicht auf irgendwelche Geschäfte auf, sondern nur auf große, von mir streng analysierte Projekte", erklärt Peter Newole.

Der Klagenfurter war nach seinem Studium (Jus) ORF-Mitarbeiter, war darauf drei Jahre in der Abteilung für Auslandskredite der Girocredit tätig, ehe Hugo Michael Sekyra ihn zunächst als seinen Assistenten und späteren Pressesprecher zur Austrian Industries/ÖIAG holte.

Ende 1993 wurde die Tätigkeit der ÖIAG auf eine neue gesetzliche Grundlage gestellt: Die verstaatlichten Unternehmen wurden neu strukturiert und die ÖIAG beauftragt, ihre Beteiligungen in angemessener Frist mehrheitlich zu privatisieren. Zu diesem Zeitpunkt schieden Sekyra und Newole aus.

Newole nahm ein "ziemlich verlockendes Jobangebot doch nicht an" und ging mit Freunden nach Brasilien auf Urlaub. Auf seiner Reise entstand der Gedanke, sich als Consultant und Spezialist für Mergers & Acquisitions selbstständig zu machen.

Während eines postgradualen "General-Management-Kurses" in Atlanta konzipierte er seine neue, eigene Firma, die heute unter "Newole & Partner Agency for Industrial Cooperation GesmbH" in Wien firmiert.

Zu seinen größten Erfolgen zählten bislang mehrere Großprojekte für italienische Baukonzerne in Osteuropa, vorwiegend Russland. Daneben hat er den Regina-Küchen-Deal über die Bühne und unlängst die italienische Autostrade als potenzielle Mautbetreibergesellschaft nach Österreich gebracht.

"Es war immer eine Kunst, den richtigen Kunden mit der richtigen Strategie ausfindig zu machen", erklärt er heute. Endlose Recherchen über Technologien, Betreiber, Pläne im In- und Ausland folgten.

"Die Autostrade war eindeutig der richtige Betreiber zur richtigen Zeit am richtigen Ort, mit langjähriger Erfahrung, neuer Technologie und einem Management, das vom Eigentümer gesteuert ist."

Und dann kam im Frühjahr das Angebot der Autostrade, die anfragte, ob Newole nicht Geschäftsführer in Österreich werden wolle. "Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder Angebote dieser Art erhalten, doch niemals angenommen."

Vor zwei Tagen hat Newole den Vertrag unterschrieben. Für die kommenden zwei Jahre ist er von seinem eigenen Unternehmen karenziert und freut sich auf den Autostrade-Job. Es sei das erste State-of-the-Art-Projekt in seinem Leben, so Newole, das verantwortungsvoll und volkswirtschaftlich interessant sei. Außerdem sei es ein sozial spannendes Vorhaben.

Das vorrangige Ziel des neuen Geschäftsführers: ein funktionierendes Team aufzubauen und professionell ein neues Mautsystem in Österreich einzuführen. "Die Österreichische Autostrade-Tochter Europpass ist eine Hochdruck-Organisation, die auf der Spur bleiben muss", sagt er. Und dann fügt er lächelnd hinzu: "Bei Großprojekten muss man warten können, schauen, wie die Wolken sich aufschieben und dann seinen ganzen Einsatz aufbringen."

Den richtigen Zeitpunkt abwarten zu können bezeichnet Peter Newole als seine größte Stärke. (Judith Grohmann/DER STANDARD, Printausgabe)

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