Antiquitätenreigen im Carrousel

27. September 2002, 19:26
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Rundgang durch die bedeutende "Biennale des Antiquaires Paris"

Die Biennale des Antiquaires, ein opulentes Verkaufsmuseum für Antiquitäten, Gemälde vom 12. Jahrhundert bis zur Moderne und Juwelen in Spitzenqualität, ist bis morgen Abend (29.9.) im Carrousel du Louvre geöffnet. 113 Aussteller zeigen ihre der finanziellen Upperclass vorbehaltenen Objekte.

Der traditionelle Schwerpunkt der Pariser Biennale ist das französische 18. Jahrhundert: Dank genialer Ebenisten, die kostbare Möbel für Adelshäuser herstellten (wie die Tisch-Konsole bei Hervé Aaron, die mit einer aus der Antike übernommenen grünen Marmorplatte für den Herzog von Saint-Aignon um 1755 hergestellt wurde und für 430.000 Euro abgegeben wurde).

Dank lustvoller Maler wie François Boucher, von dem Konrad Bernheimer-Colnaghi (München-London) ein ovales Gemälde mit rustikaler Landschaft von 1765 für 1,7 Millionen Euro, Emmanuel Moatti (Paris) eine in Sepiafarben gehaltene Himmelfahrt Mariaens anzubieten haben. Am wunderbaren Interieur-Stand, den Maurice Segoura und Aveline-Jean-Marie Rossi (mit Boiserien und einem Marketterie-Parkett von Guillaume Féaud) gemeinsam einrichteten, stehen zwei mit rotem Samt bespannte Hocker aus dunklem Amarantfurnier mit ziselierter Bronze, die aus einer Serie von 12 Stück stammen, die für die Erzherzogin Marie-Christine (Tochter von Maria-Theresia und Gattin des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen) geschreinert wurden. Sie standen im Schloss Seelowitz (bei Brünn) und um 1920 in der Albertina. Rossi erwartet dafür circa eine Million Dollar.

Bei den Wandteppichen bestechen Blondeel (Paris) mit einer marktfrischen Serie von sieben Tapisserien mit Jagdmotiven. Das Art Déco, eine weitere Stärke der Franzosen, besticht mit einem vergoldeten Badezimmer mit Mosaikboden von Armand-Albert Rateau, das Dutko (Paris) mit 3,2 Millionen Euro ansetzt. Vallois (Paris) präsentiert kleine Gefäße und Vasen der 20er Jahre aus Elfenbein, Horn, Perlmutt und lackiertem Metall (u.a. von Dunand).

Der auf illuminierte Manuskripte spezialisierte Deutsche Heribert Tenschert wartet mit einer 48-Zeilen Bibel von Jost und Schöffer auf, für die er knappe vier Millionen Euro erwartet. Stammeskunst ist heuer stärker präsent als bisher: Alain de Montbrison zeigt eine Maori-Statue aus der Sammlung Hooper für 300.000 Euro. Last not least erweist sich der für die Biennale verantwortliche Christian Deydier (Oriental Bronze, London-Paris) als der wohl kommerziell erfolgreichste Aussteller mit seinen chinesischen Gold-und Holzobjekten, die er für 30.000 bis 300.000 Dollar verkaufte. Generell gab es an den ersten Biennale-Tagen Verkäufe im unteren Preisbereich, sowie viele zähe Verhandlungen für größere Objekte. (Olga Grimm-Weissert/DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2002)

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