Jodeln und Dudeln

27. September 2002, 18:42
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Am 30. 9. startet das Festival "Wean hean"

Wien - Das verdiente Wienerliedfestival Wean hean träumt sich heuer nicht nur die Alpen schön und begibt sich an seinem Eröffnungsabend im Semper-Depot auf die Spuren des Höhenrausches, der die Städter als Nebenwirkung der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert erfasste und noch heute in der urbanen Begeisterung für unverbaute Kärntner Ex-Schirennfahrer und Fernsehquiz-Moderatoren zu finden ist.

Dass damals auch das Jodeln ab etwa 1820 in die Wiener Stadt über die Auftritte von quer durch Europa, man kann es ruhig sagen, tourenden "Alpensänger"-Gesellschaften derart begeistert aufgenommen wurde, manifestiert sich dann auch in der abgewandelten Wienerliedform des "Dudelns". Die großartige Trude Mally wird dies am Eröffnungsabend Hoch Drobn Im Gebirg ebenso unter Beweis stellen wie aus der Steiermark die Formation Aniada A Noar eingeflogen wird und Dr. Konrad Köstlin vom Ethnologischen Institut Wien den historischen Hintergrund in einem Vortrag beleuchten wird.

Neben dem "Wean Jazz" gewidmeten Abenden von Alegre Correa im Porgy & Bess und einem musikalischen Vergleich von Wiener Tänzen und Pariser Musetten, neben einer "U-Bahn Gstanzl"-Klasse von Roland J. L. Neuwirth und dem musikalischen Nachwuchsabend Wiener Glut vor allem interessant: Zuagrast & Zsammgschwasst am 8. Oktober im Theater Akzent und Da Weana braucht kan Heimatschein in der Arbeiterkammer am 9. Oktober. Abende, die sich künstlerisch mit dem Fremden in Wien und dem Selbstverständnis der Wiener auseinandersetzen. (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2002)

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