Die klügsten Köpfe für Ground Zero

30. September 2002, 21:34
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Im Gefolge von 9/11 kündigt sich in New York nun eine spektakuläre Entwicklung an

Sechs Architektenteams aus aller Welt - darunter Norman Foster und Daniel Libeskind - kamen nun in die Endrunde für die Neubebauung im Süden Manhattans.
New York/Wien - Gouverneur George Pataki war hörbar angetan von der internationalen Architektenriege, die bis November dieses Jahres konkrete Pläne für eine Neubebauung des Ground Zero vorlegen darf: "Diese Architekten und Planer gehören zu den besten und klügsten Köpfen der Welt - und New York verdient nichts Geringeres."

Der Wiederaufbau der durch die Terroranschläge des 11. September devastierten Zone im Süden Manhattans sei "eines der wichtigsten Projekte in der Geschichte" der amerikanischen Nation, der Terror habe die gesamte Welt erschüttert, weshalb es nun umso erfreulicher sei, dass in den ausgewählten Teams "viele verschiedene Länder zusammenkommen, um mitzuhelfen, New York City wieder aufzubauen".

407 Architektenkonsortien waren im Sommer dem Aufruf der Lower Manhattan Development Corporation gefolgt und hatten ihre Referenzen eingeschickt, nachdem erste Vorstudien von der Öffentlichkeit brüsk als zu business-orientiert und schlichtweg uninspiriert abgelehnt worden waren. Die sechs nun von einer Jury ausgewählten und am Donnerstag präsentierten Teams gehören allesamt zu den großen Playern der Architekturszene: Alle haben Großprojekterfahrung, die meisten Fingerspitzengefühl bei Memorials und Museumsbauten bewiesen.

Prädestiniert für einen markanten Entwurf in New York scheint Daniel Libeskind zu sein, der mit dem Jüdischen Museum Berlin eines der gewagtesten Architekturexperimente der vergangenen Jahre eingegangen ist. Die Jury, der unter anderen Terence Riley und Toshiko Mori angehörten, lobte denn auch die "Tiefe seines Verständnisses und seiner Empathie, die er im Laufe seiner Karriere unter Beweis gestellt hat".

Neben Libeskind bewarb sich als Einzelbüro lediglich der Brite Norman Foster, er stellte in seinem Bewerbungsschreiben fest: "New York verdient etwas Großartiges." Die Jury hob Fosters "Sensibilität" hervor, sowie seine - für Auftraggeber höchst angenehme - Eigenschaft, ständig Preise für herausragende Architekturen einzuheimsen.

Die großen Männer Amerikas, Richard Meier, Peter Eisenman, Steven Holl und der weniger bekannte Charles Gwathmey treten gemeinsam an, in ihrer Referenzliste glänzen etwa Meiers Getty Center in Los Angeles und Holls Kiasma Museum in Helsinki.

Das Team United Architects ist international zusammengesetzt und besteht aus Reiser Umemoto, Foreign Office Architects, Greg Lynn, Imaginary Forces, Kevin Kenon, Un Studio. Hier lobte die Jury die Multinationalität der "innovativen jungen Designer und Architekten, die zu den besten der Welt gehören".


Junge und alte Kräfte

Ebenfalls mit im Rennen ist - fast selbstverständlich - der New Yorker Lokalmatador SOM, Skidmore Owings and Merrill, der für sehr große, sehr teure Projekte steht. Zur Auffrischung des etwas angealterten Images hat man allerdings ein paar internationale Jungkräfte wie Neutelings Riedjik (Niederlande) und Sanaa (Japan) angeheuert.

Ebenfalls frisch-jugendlich das vielköpfige Team Think, dem unter anderen Shigeru Ban (Japan), David Rockwell, Rafael Vinoly (beide USA) und Jörg Schlaich (Deutschland) angehören. Sie wollen die "Erinnerung an die Opfer der Tragödie zur Inspiration für eine bessere Zukunft machen". Nicht zum Zug kamen aus der hochkarätigen Riege weiterer sieben Semifinalisten leider das österreichische Büro Coop Himmelb(l)au, das sich gemeinsam mit dem US-Architekten Eric Owen Moss beworben hatte.

Wie das alles ausschauen wird, soll sich im November zeigen, wenn die drei besten Entwürfe ausgewählt werden. Das Endresultat soll Anfang 2003 feststehen, entweder als Einzelauftrag, oder, wahrscheinlicher, als Kooperation der Besten.
(Ute Woltron/DER STANDARD, Printausgabe, 28.09.2002)

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