Jüdisches Viertel wird saniert

27. September 2002, 19:19
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Einigung nach jahrelangem kommunalpolitischem Hickhack

Hohenems - Die Hohenemser Kommunalpolitik ist immer wieder für Überraschungen gut: Zwei der prominentesten Streithähne der Kleinstadt - Bürgermeister Christian Niederstetter (VP) und Immobilien- und Finanzmakler Gerhard Lacha - schlossen Frieden. Vergessen sind Gegenkandidatur und Gerichtsauftritte. Gemeinsam will man nun das Jüdische Viertel sanieren und zum kulturellen Zentrum machen.

Nach jahrelangen Diskussionen wurde eine Teillösung für das historisch wertvolle, aber abgewohnte Quartier gefunden. Die Stadtvertretung beschloss mit Zweidrittelmehrheit, Synagoge und jüdische Schule im Baurecht an die Lacha Immobilien-KEG zu übertragen.

Diese Lösung hatte Gerhard Lacha, der bereits vier Häuser im Viertel saniert hat, schon vor den letzten Gemeindevertretungswahlen, 1999, vorgeschlagen. Damals wurde sie vom Tisch gewischt, weil Lacha als angriffiger Oppositionspolitiker Bürgermeister Christian Niederstetters Gegenspieler war. "Nun sind wir beide über unseren Schatten gesprungen", erklärt Gerhard Lacha die Wende.

Auf die Synagoge hat Lacha ein Baurecht von 50 Jahren. Bis Herbst 2003 soll das im Ursprung barocke Gebäude saniert sein. Dann wird die Musikschule Tonart einziehen; die Stadt wird das Gebäude anmieten. In der einstigen jüdische Schule möchte sich ein interdisziplinäres Kochinstitut etablieren. Dem Institut fehlt aber noch die Finanzierungszusage der Landesregierung.

Einen ersten Eindruck vom künftigen Kulturviertel kann sich die Bevölkerung am kommenden Sonntag verschaffen. Von 14 bis 19 Uhr lädt die Sprachwissenschafterin Jeanette Bell in ihr Büro "LernPunkt" in die Harrachgasse 4. Bell bietet dort Literatur- , Deutsch- und Computerkurse an. Die Restaurierung der Häuser Harrachgasse 2 und 4 wurde kürzlich abgeschlossen.

Gerhard Lacha hofft nun, "dass sich andere Private der Sogwirkung nicht entziehen können und ebenfalls selbst die Initiative zur Sanierung ergreifen". Nachsatz: "Oder den Weg zu einer anderen Lösung öffnen." (jub/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2002)

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