Novartis hält an Lek-Übernahmeofferte fest

27. September 2002, 18:05
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Offerte bleibt beim Preis von 95.000 Tolar (416 Euro) je Aktie - Lek-Aktionäre hatten abgelehnt

Wien/Laibach/Zürich - Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will trotz einer ersten Niederlage auf der Aktionärsversammlung vom Freitag den slowenischen Medikamentenhersteller Lek weiterhin übernehmen und wird eine offizielle Übernahmeofferte zum bisher schon genannten Preis von 95.000 Tolar (416 Euro) je Aktie vorlegen. Damit sollten sich jetzt alle Aktionäre an der Entscheidung beteiligen können.

Am Freitag hatten die Lek-Aktionäre das freundliche Übernahme- Angebot bei einer außerordentlichen Hauptversammlung mit deutlicher Mehrheit von 58 Prozent abgelehnt. Die ablehnende Front stand unter der Führung der beiden staatlichen Fonds KAD und SOD, die mit dem von Novartis angebotenen Preis nicht einverstanden waren.

Preis erhöht

Novartis hatte den Preis am Tag vor der Generalversammlung noch auf 98.000 Tolar erhöht, diese Erhöhung aber mit bestimmten Bedingungen verbunden. Die Fonds, die zusammen 27,5 Prozent der Lek-Aktien halten, hatten jedoch mehr als 100.000 Tolar erwartet, wie Joze Lenic, der Chef des Fonds Kapitalska Druzba (KAD) sagte. Das Lek-Managment stehe aber weiterhin hinter mit ihm vereinbarten Deal, hieß es bei Novartis. Lek-Konzernchef Metod Dragonja zeigte sich vom Ausgang der Abstimmung ebenfalls enttäuscht, sprach aber auch von einem "konservativen Übernahmepreis".

Da das Lek-Management, das freilich auch selbst von einem konservativen Übernahmepreis sprach, den Kauf der Gesellschaft durch Novartis weiterhin befürwortet, werde Novartis seine Offerte formell veröffentlichen, teilte der Basler Konzern am Freitag mit. Das Offert im Gesamtvolumen von gut 1,2 Mrd. Franken (818 Mill. Euro) erhalte nur dann Gültigkeit, wenn mindestens 51 Prozent der Aktien angedient würden. Bei dem neuen Vorgehen setzt Novartis jetzt auf eine gesetzliche Änderung, die am 30. Juni 2003 in Kraft tritt. Dann werden in Slowenien die Stimmrechts-Obergrenzen bei Aktiengesellschaften abgeschafft. Bisher galt auch bei Lek eine in den Statuten verankerte Stimmrechts-Obergrenze von 15 Prozent.

Passus in Statuten nur mit 75 Prozent abschaffen

Der Passus in den Statuten kann bisher nur mit 75 Prozent der Aktienstimmen abgeschafft werden. Und um diesen Punkt war es formell auch in der Lek-Aktionärsversammlung vom Freitag gegangen. Auch die beiden Fonds ließen sich nach der Generalversammlung alle Möglichkeiten offen. Igor Kusar von Odskodninska Druzba (SOD) sagte, das Vorhaben sei mit Ausnahme des Preises in Ordnung gewesen. Er wollte nicht ausschließen, dass die Fonds die Aktien nicht doch noch andienen würden.

Lek ist für Novartis vor allem wegen der Produktionskapazitäten für ein Generikum des Antibiotikums Augmentin interessant. Zudem könnte der Schweizer Konzern seine Position in Osteuropa deutlich verbessern. An der slowenischen Börse in Laibach zog die Entwicklung heute den gesamten Aktienmarkt nach unten, während sich in Basel die Novartis im Einklang mit dem richtungslosen Gesamtmarkt leicht schwächer entwickelte. (APA/vwd/Reuters)

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