US-General: "Militärmacht kann Gutes bewirken"

27. September 2002, 17:23
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US-General William Odom zu Irak-Optionen

Wien - Es ist wahrscheinlich deplatziert, einen ehrwürdigen pensionierten General einen coolen Larry zu nennen. Aber den Eindruck, den General William Odom erweckt, wenn er, wie am Donnerstag im Wiener Amerikahaus, über die Entwicklungen nach dem 11. September 2001 redet, ist doch der einer nicht alltäglichen Coolness, eines von keiner Unsachlichkeit angekränkelten Willens, die Weltlage mit nüchternem Auge zu erfassen.

Cool ist Odom, und das, was die Amerikaner "outspoken" nennen: Frei von der Leber weg sagt er, dass er der Disziplin der Friedensforschung wenig abgewinnen kann, weil es gelte, den Krieg zu studieren ("Man kann mit militärischer Macht viel Gutes bewirken, man muss nur wissen, was das Gute ist"). Israels Premier Ariel Sharon nennt er einen "Alliierten" von Saddam Hussein, weil Sharon durch seine harte Politik einen möglichen US- Angriff auf Saddam ungemein erschwere. Und schließlich meint Odom, dass er es, anders als seine Nachbarn, nicht für notwendig gehalten habe, nach 9/11 eine US-Flagge an sein Haus zu stecken.

Als mangelnden Patriotismus wird man ihm dies bei seiner professionellen Vergangenheit nicht auslegen können: Odom war Militärberater von Jimmy Carter und Direktor des NSA, des geheimsten US-Geheimdienstes, jetzt lehrt er Politologie in Yale. Er sei nicht hier, um sich für oder gegen einen Irak-Krieg auszusprechen, meint Odom. Er befasse sich mit der Frage: "Ist der Irak in der Lage, den USA ernsthaften Schaden zuzufügen? Vor 9/11 hätte die Antwort gelautet: Das ist nicht sehr wahrscheinlich. Nach 9/11 heißt sie: Ja, vielleicht." Wenn die USA die Optionen erwägen, die daraus folgen sollten, so gelte es die Clausewitzsche Einsicht zu bedenken, dass Krieg dem Wesen nach nichts anderes ist als Politik.

Und Odom hat an der Politik der Regierung Bush durchaus etwas auszusetzen: Dass Verteidigungsminister Rumsfeld noch keine detaillierten Pläne dafür habe, wie mit dem Irak nach einem Krieg verfahren werden soll, ist ihm nicht recht verständlich. Die Europäer fordert Odom auf, sich in eine breite Diskussion mit den USA einzulassen, und vor allem auf die Achse Deutschland-USA legt er enormen Wert; "Bei einer Rückschau auf das letzte Jahrhundert erkennen wir: Wenn die Amerikaner mit Frankreich und Großbritannien verbündet sind, können sie einen Krieg gewinnen. Aber einen Krieg verhindern können die USA nur dann, wenn sie mit Deutschland im Reinen sind." Dass - mit deutscher Unterstützung - der Kriegslust des Slobodan Milosevic Einhalt geboten werden konnte, deutet Odom mit als einen Beleg für seine These an. (Christoph Winder, DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2002)

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