Verteidigungsminister erklärt belagerte Städte zur Kriegszone

27. September 2002, 20:17
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Nach Evakuierung von Ausländern wächst Angst vor nächster Offensive

Nairobi/Abidjan - Nach der Evakuierung von rund 1200 westlichen Staatsbürgern aus der umkämpften Stadt Bouaké in der Landesmitte von Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) wuchs dort am Freitag die Angst vor weiterem Blutvergießen. Verteidigungsminister Lida Moise Kouassi erklärte die von den Meuterern belagerten Städte Bouaké und Korhogo zur "Kriegszone". "Jeder, der dort, abgesehen von loyalen Soldaten, Waffen trägt, wird zum Staatsfeind erklärt", sagte Kouassi im staatlichen Fernsehen. "In wenigen Stunden werden die Sicherheitskräfte dort ihre Arbeit beginnen."

Die Erklärung machte der Verteidigungsminister Stunden bevor französische Truppen ihre Rettungsaktion für die Ausländer beendet hatten. Zahlreiche Einheimische nutzten die Feuerpause der Aufrührer, um durch den militärisch geschützten Korridor aus der Stadt zu fliehen. "Doch die, die zurückbleiben, fürchten sich vor einer möglichen Regierungsoffensive", sagte ein Augenzeuge.

Die evakuierten US-Bürger, Italiener, Niederländer, Briten und vornehmlich Franzosen wurden in Militärflugzeugen in die 350 Kilometer entfernte Regierungsstadt Abidjan oder ins Nachbarland Ghana geflogen.

Ghana und Nigeria entsendeten Voraustrupps und Militärflugzeuge in die Elfenbeinküste, wo vor neun Tagen eine Meuterei unzufriedener Soldaten begonnen hat. Mitglieder der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS wollen am Sonntag in Abidjan zu einem Krisengipfel zusammenkommen. "Wir werden dort den Aktionsplan festlegen, mit dem wir die Regierung der Elfenbeinküste unterstützen", sagte ECOWAS-Exekutivsekretär Mohamed Ibn Chambas nach einem Besuch beim Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo. Diskutiert werde unter anderem, wie viele Truppen dafür benötigt würden und welche Länder sie entsenden.

Der Aufstand im ehemals stabilsten Land Westafrikas hatte am 19. September nahezu zeitgleich in drei Städten begonnen. Die Meuterer erklärten, sie forderten ihre Wiedereingliederung in die verkleinerte Armee und bessere Löhne. Die Regierung sprach hingegen von einem niedergeschlagenen Putschversuch.(APA/dpa)

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