Harnsteintest in 15 Minuten

28. September 2002, 11:32
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Zuverlässige Prognosen durch Kristalle im Urin

Bonn - Bessere Voraussagen über das Risiko schmerzhafter Harnsteine und damit auch eine bessere Kontrolle der Therapie versprechen sich Mediziner der Bonner Universität von einem neu entwickelten Messverfahren. Schon 15 Minuten nach Abgabe einer Harnprobe liege mit der von Professor Albrecht Hesse entwickelten Methode eine zuverlässige Prognose vor, berichtete die Universität.

Je schwerer die Kristallbildung, desto geringer das Steinrisiko

Anders als bei herkömmlichen Verfahren, die aus der Bestimmung einer Handvoll biochemischer Werte das Steinrisiko nur ungefähr abschätzen lassen, messen die Bonner Wissenschafter direkt, wie leicht der Urin des Patienten zur Kristallbildung neigt. "Wir züchten aus der Urinprobe Kristalle. Je schwerer das ist, desto geringer das Steinrisiko", erklärt Dr. Norbert Laube aus der Abteilung Experimentelle Urologie der Bonner Klinik und Poliklinik für Urologie.

Kalziumionen im Urin

Dazu geben die Forscher der Probe tropfenweise eine Lösung zu, mit der sie die Steinbildung anregen. Sobald sich die ersten Mikrokristalle bilden, trübt sich der Urin. Der Vorgang ist für das normale Auge kaum sichtbar, mit einem Spezialgerät, einem Photometer, können die Experten aber sicher feststellen, wann die Kristallbildung einsetzt. Je weniger Lösung sie bis zu diesem Zeitpunkt zutropfen mussten, desto höher das Harnsteinrisiko. Die Mediziner berechnen daraus und aus der Konzentration der Kalziumionen im Urin einen Index, der genau sagt, wie hoch das aktuelle Risiko des Patienten ist, erläuterte Laube.

Verhinderung einer Harnleiterkolik

Die Methode eignet sich gut zur genauen Kontrolle einer Therapie zur Verhinderung einer Harnleiterkolik. "Der Arzt kann deutlich schneller und genauer erkennen, ob die Medikamente anschlagen, ob er die Dosis erhöhen oder senken muss oder ob eine andere Diät angebracht ist", erklärte Laube. Die Wissenschafter bestimmen den Index getrennt für den tagsüber und nachts gebildeten Urin, da das Harnsteinrisiko zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich hoch sein kann.

Das Bonner Forscherteam will nun die Messung automatisieren und die Apparatur weiter verkleinern. Dazu suchen sie noch nach Industriepartnern. Die Zahl der unter Harnsteinen leidenden Patienten hat nach einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Urologie in den letzten zwei Jahrzehnten um 25 Prozent zugenommen. Im Jahr 2000 waren etwa 1,2 Millionen Deutsche betroffen, meist Männer zwischen 25 und 50 Jahren. (APA)

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