Hamas-Extremist offenbar doch nicht getötet

27. September 2002, 16:05
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Israelische Militäraktion vom Donnerstag verfehlte laut Minister ihr Ziel

Gaza - Der blutige israelische Angriff auf den Hamas-Extremisten Mohammed Deif in Gaza hat offenbar sein Ziel verfehlt. Der als Bombenbauer beschuldigte Deif habe die Militäraktion vom Donnerstag überlebt, bestätigte der israelische Wissenschaftsminister Matan Vilnai am Freitag entsprechende Angaben der Hamas-Bewegung. Bei dem Angriff auf das Auto Deifs kamen jedoch zwei seiner Leibwächter ums Leben, 35 Menschen wurden verletzt. UNO-Generalsekretär Kofi Annan kritisierte die Offensive scharf.

Das Völkerrecht verpflichte Israel, das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen, erklärte Annan. Er forderte die Regierung Israels auf, solche Militäraktionen einzustellen. Unter den Verletzten waren auch 15 Kinder. Sechs Personen befanden sich am Freitag noch in kritischem Zustand. Die Hamas kündigte Rache für den Angriff an.

Abwehr von Anschlägen als Rechtfertigung von Angriffen

Minister Vilnai erklärte am Freitag im israelischen Rundfunk, Deif sei verletzt worden, werde sich aber erholen. Ein weiteres ranghohes Regierungsmitglied, das nicht genannt werden wollte, sagte ebenfalls, Deif habe mittelschwere Verletzungen erlitten. Die israelischen Streitkräfte hatten zunächst erklärt, Deif sei offenbar getötet worden. Die israelische Regierung macht den Hamas-Aktivisten, der seit Jahren im Untergrund lebt und als führender Bombenbastler der islamischen Organisation gilt, für Dutzende Bombenanschläge in Israel verantwortlich.

Israel rechtfertigt gezielte Angriffe auf mutmaßliche Extremisten mit der Abwehr weiterer Anschläge. In den vergangenen zwei Jahren sind bei so genannten gezielten Angriffen der Israelis 78 gesuchte Palästinenser und 52 Passanten getötet worden.

Der Militärschlag gegen Deif sei ein weiteres Beispiel dafür, "dass der israelischen Armee das Leben unschuldiger palästinensischer Opfer egal ist", erklärte ein Sprecher des palästinensischen Menschenrechtsverbands. Auch der israelische Oppositionsführer Yossi Sarid betonte, dass zwar der Kampf gegen den Terror geführt werden müsse, aber solche Aktionen nicht zu vertreten seien.

Ein Abgeordneter der für einen scharfen Kurs eintretenden Nationalreligiösen Partei rechtfertigte hingegen den Angriff ungeachtet der zivilen Opfer. "Wenn Israel ein verachtenswertes und grausames Ziel wie dieses angreift, sind Nebenwirkungen unvermeidlich", sagte Shaul Jahalom im israelischen Rundfunk. Vielmehr hätte ein stärkerer Sprengsatz genutzt werden müssen, um Deif wirklich zu töten.

Freitag Früh erschossen israelische Soldaten bei einer Razzia in Hebron ein 21-jähriges Hamas-Mitglied, wie Augenzeugen berichteten. Die Streitkräfte erklärten, der Mann habe zuerst das Feuer auf die Soldaten eröffnet, als diese sich seinem Haus genähert hätten.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon verteidigte unterdessen erneut die seit einer Woche andauernde Belagerung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat. Zugleich zeigte er sich in einem Interview mit der "Jerusalem Post" überzeugt, dass die wiederholten Offensiven in den Autonomiegebieten der richtige Weg seien. Sie erfolgten, "nicht weil wir dort präsent sein wollen, sondern um den Terror abzuwehren", erklärte Sharon. Das wiederholte Einrücken sorge auch für eine Art Gewohnheitseffekt und lasse die Kritik der internationalen Gemeinschaft weniger werden. (APA/AP)

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